Heute war sein erster Schultag und er war doch schon ein wenig aufgeregt, der Schulranzen, schon etwas abgegriffen, weil schon länger in Gebrauch gewesen, war mit einer Tafel versehen, der Schwamm baumelte, wie früher so üblich, fröhlich an der Außenseite herum und in dem Ranzen waren Griffelkasten und auch schon einige Bücher und Hefte verstaut und wartete darauf, dass er ihn sich anschnallen würde.
Die Mutter rief zum Anziehen. Er hasste die Kleidung, die seine Mutter für den ersten Schultag bereitgelegt hatte, die Unterwäsche, ein Leibchen, an welches lange Strümpfe angeknöpft wurden, darüber eine kurze Hose und eine Jacke, die ein Schneider aus der Nachbarschaft aus einem noch vorhandenen Stoff hergestellt hatte, ein paar hohe Schuhe und eine Mütze, die er nicht mochte, aber all sein Wehren nützte ihm nichts.
Gemeinsam mit seiner Mutter machte er sich schon bald auf den Weg in den Ort hinunter, sein Bruder und seine Cousine hatten das Haus schon verlassen, er würde sie erst in der Schule wiedersehen.
In dem alten Schulgebäude gab es zwei Räume, die den evangelischen Schülern in einem überwiegend katholischen Ort zugestanden waren, ging es schon munter zu. Raum Eins war besetzt mit den Klassen Eins bis Vier, der andere Raum wurde von den schon älteren Schülern benutzt.
Sein Mutter gab ihm einen Klaps und verabschiedete sich dann, sie hatte zu arbeiten, Kinder ohne einen Vater, der im Krieg geblieben war, aufzuziehen, erforderte ihre ganze Kraft. Vorsichtig betrat er den Klassenraum, erspähte einen freien Platz in der hinteren Reihe und setzte sich.
Die Lehrerin, damals noch "Fräulein" genannt, betrat den Raum, schaute über das Gewimmel und bat die älteren Schüler, den Raum für eine Weile zu verlassen, sie wolle sich erst einmal ein Bild von den "Neuen" machen.
Sie verlas die Namen und als er aufgerufen wurde, bat sie ihn, aufzustehen da hinten. Sie schaute ihn lange an und fragte dann: "Bist Du überhaupt schon einen Meter groß?" Da schoß es aus ihm heraus: " Eins vier". Alle lachten und er wurde nach vorn in die erste Reihe gebeten. "Damit ich Dich überhaupt sehen kann" sagte die Lehrerin in das Gelächter hinein. Seine Anspannung ließ etwas nach, die älteren Schüler wurden wieder hereingerufen und der Unterricht begann. Nach drei Stunde war der erste Schultag für ihn vorbei und er durfte nach Hause gehen. Vor der Schule warteten viele Eltern auf ihre Kinder, bepackt mit Schultüten, die wohl gut gefüllt schienen. Wo war seine Mutter, hatte sie ihn vergessen? Da kam sie aber doch auf ihrem alten, klapprigen Fahrad angefahren und sie hatte, wenn auch, eine kleine Schultüte bei sich. Er war erleichtert, alles war gut gegangen, morgen würde er wieder in die Schule gehen, mal schauen, was da auf ihn zukam.
Am Abend, sein Onkel, er war so etwas wie ein Vaterersatz, kam gerade nach Hause, hatte er diesem allerlei zu erzählen. "Die Lehrerin ist aber nicht schlau, dauernd hat sie mich etwas gefragt, ich saß ja ganz vorn, aber ich habes es ihr nicht gesagt!
(c) Rolf Glöckner


Ja die alten Zeiten, selbst die Fotos glichen sich wie ein Ei dem anderen. Sehr schön erzählt und der Schluss zum Schmunzeln.
AntwortenLöschenLiebe Grüße aus Spanien von Jutta (FB)