Alle Tiere, die irgendwo verletzt aufgegriffen wurden, landeten immer in unserem alten Haus. Ansprechpartner war, weil ein großer Tierfreund, mein Onkel Hans, er wusste immer Rat, was in dem speziellen Fall zu tun sei.
Dieses ist nur eines der Erlebnisse, die ich in meiner Jugend mit Tieren hatte.
Jäger auf der Jagd nach Raubvögeln, damals wurde ja leider auf alles geschossen, was wie ein Raubvogel aussah, waren durch den Buchenwald oberhalb unseres Hause gepirscht und hatten dabei ein Wanderfalkenpaar erlegt. Die Falkenfrau hatte aber gerade Junge, die in einem Nest hoch oben in einer Buche saßen und nun dem Tode geweiht waren.
Mein Onkel aber, der diese interessanten Raubvögel schon eine Weile beobachtet hatte, stellte sehr bald das Fehlen der Altvögel fest. Was nun nun?
Eine Rettungsaktion wurde eingeleitet, aber wie sollte man das Nest dort ganz oben in der Buche erreichen? Es wurde hin und her überlegt aber mein Onkel war ja Zimmermann! Also wurden auf die Schnelle zwei junge Birken gefällt und daraus eine lange Leiter gebaut. Die trugen wir nun gemeinsam zur Buche hin. Die Leiter war gerade so lang, dass ein unterer Ast erreicht werden konnte. Mein Onkel kletterte die Leiter hinauf, nicht ohne mit einem langen Seil und einem Tuch versehen zu sein, dann verschwand er im Blätterdach. Nach geraumer Zeit erschien ganz oben, festgeknotetet am Seil, ein zusammengeschlungenes Tuch, aus welchem ängstliches Gepiepe ertönte. Darin drei Federbälle, die ängstlich nach ihren Eltern riefen. Wieder unter, zerlegte mein Onkel die Behelfsleiter wieder, nahm mir das Tuch, in dem es jetzt kräftig zappelte, ab und wir machten uns auf den Heimweg. Dort wurde auf die Schnelle aus Latten und etwas Hühnerdraht ein Platz für die jungen Falken geschaffen und ich bekam etwas Geld in die Hand, um vom Schlachter frisches Fleisch zu holen, mit denen die Federbälle, die nun ganz verschüchtert in ihrer neuen Behausung saßen, gefüttert werden sollten.
Als ich zurückkam, hatte mein Onkel bereits ein seltsames Gestell neben sich stehen. Als ich ihn fragte, was das denn nun sein, antwortete er: "Eine automatische Mausefallen, die werden wir heute abend schon im Stall aufstellen, dort sind bestimmt Mäuse genug, wir brauchen lebende Atzung, die wir dann zum Füttern aufteilen müssen:"
Das kam mir doch ziemlicht grausig vor und ich schüttelte mich bei dem Gedanken, soetwas tun zu müssen.
Zuerst aber bekamen die drei Jungvögel ihre erste Nahrung, ich half, so gut ich konnte, die kleinen Krallen und auch die Schnäbel waren aber schon scharf und so ich trug beim Füttern einige Kratzer von den sich zuerst heftig sträubenden kleinen Falken davon, bei der nächsten Fütterung würde ich mir besser Handschuhe anziehen!
Inzwischen war die Falle, mit Käse als Köder versehen, in einer Ecke des Stalles aufgestellt worden.
Am nächsten Morgen sahen wir gemeinsam nach der Mausefalle und siehe, drei Mäuse saßen gefangen in einer Dose, die sich im Inneren der Falle befand. Was Onkel Hans dann tat, wollte ich besser nicht sehen, beim Füttern habe ich aber doch immer wieder geholfen und sie wuchsen heran, bis wir sie auswildern konnten. Noch lange trieben sich die nun erwachsen gewordenen Falken in der Nähe unseres Hause herum, denn das war ja für geraume Zeit ihr Ersatznest gewesen.
Inzwischen war der nächste Pflegefall eingetroffen! Eine Schleiereule mit einem geschienten Bein hockte auf Mutters Wohnzimmerschrank.....
(c) Rolf Glöckner



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