Es war Sonntag und heute sollte es passieren, er und sein bester Freund Bruno waren auserwählt!
Schon seit Wochen ging es in der Siedlung nur noch um ein Thema, das Königsschießen des Schützenvereins mit dem eine Woche später folgenden Schützenfest.
Schon lange vorher war in einem absolut geheimen Gespräch die Schießkommission an ihn und seinen besten Freund Bruno herangetreten, um sie zu bitten, "Es" zu tun; "Es", das war das Königsmachen!
Sie, die Kommission, bestehend aus Mitgliedern des Vereins, hatten ihnen genau gesagt, wie das nun abzulaufen habe und hatten ein Zeichen verabredet, ein Hut mit einer großen, weißen Feder, sollte vom Kopf genommen und hingelegt werden, erst dann sollten sie kräftig an einem dünnen Draht ziehen. Es war sehr wichtig, immerhin hatte der Verein ein großen Jubiläum, wurde er doch 100 Jahre alt und man wollte dazu eben auch den "richtigen" König haben!
Zuerst aber war in der Schießbahn der Adler aufzustellen, in einer Entfernung von dreissig Metern vom Schießstand entfernt. Der Adler, eine aus Holz hergestellte Figur, vergleichbar mit einem Wappenvogel, mit Krone, Reichsapfel und Szepter, die Schwingen weit ausgebreitet.
Befestigt wurde er mittels eines runden Pflockes an einem Pfahl. Dieser Pflock war sozusagen des Pudels Kern aber dazu später mehr.
Am Sonntagvormittag traf man sich dann, den Adler aufzustellen, am Nachmittag sollte dann das Königsschießen stattfinden. Kurz vor Mittag rief der Nachbar, er war Mitglied der Kommission: "Ihr könnt los!" Sofort machten sich die beiden Jungen auf den Weg, die Rolle Draht,einen kleinen Hammer und einige Krampen trugen sie mit sich.
Durch das Gebüsch schlichen sie vorsichtig in den Schießbahn. Da stand er ja! Sie rannten auf den Adler zu, nahmen ihn von seinem Pfahl und legten ihn vorsichtig ins Gras. Bruno entfernte den Pflock, sie schlugen eine Krampe in ihn hinein, befestigten den dünnen Draht und bauten alles wieder zusammen. Nun musste der Draht nur noch zum Unterstand des Kugelfanges gerollt und dort hinuntergelegt werden, dann konnte am Nachmittag nichts mehr schief gehen. Aufgeregt machten sich die beiden Jungen auf den Heimweg, denn schon vor dem Beginn des Königsschiessens mußten sie ihren Platz im Unterstand eingenommen´haben.
Und schon bald war es soweit! Die beiden Jungen kauerten sich in den dunklen, immer etwas feuchten Scheibenunterstand und blickten den dort angebrachten Spiegel, der ihnen einen Blick auf den Schießstand gewährte, um auch ganz bestimmt nichts zu verpassen.
Die ersten Schüsse fielen, ein Flügel stürzte zu Boden, der Reichapfel und das Szepter, die Krallen, der andere Flügel und zum Schluß die Krone folgten nach.
Nun wurde es spannend, denn nur noch der Rumpf war an dem Pfahl noch vorhanden.
Die Herzen der beiden Jungen klopften nun bis zum Hals. Nur das Zeichen nicht verpassen!
Und da; ein Hut mit einer langen weissen Feder wurde abgenommen und hingelegt, ganz deutlich war es in dem großen Spiegel zu sehen.
Jetzt nur noch auf den Schuß warten! Der Knall erreichte die Jungen und gemeinsam rissen sie an dem Draht. Langsam, ganz langsam neigte sich daraufhin der Rumpf des Königsadlers und fiel mit einem dumpfen Ton zu Boden. Aus dem Schießstand erklang lautes Jubeln, der neue König mit einer Amtszeit von einem Jahr war gekürt.
Die Jungen schlichen durch das Gebüsch, gingen gemeinsam zum Schießstand, in dem nun großer Trubel herrschte, betraten diesen und schautem dem Treiben zu. Keiner beachtete sie, nur ein Kommissionsmitglied zwinkerte ihnen zu, als wolle er sagen: "Gut gemacht".
Diese hier waren gefürchtet, gewannen sie doch jeden Wettkampf haushoch !
(c) Rolf Glöckner







