Montag, 16. April 2012

Das ist Globalisierung!

Wie aus gut unterrichteten Kreisen der Stadtverwaltung verlautet, wird die Verwaltung mit allen ihren Ämtern und den stadteigenen Betrieben eine generelle Umstellung der derzeit verwendeten EDV-Systeme vornehmen.
Aus Indien wurde dazu Herr Mahatma Fatal Error eingeflogen. Dieser hat seine Arbeit bereits aufgenommen und die ersten Umstellungen bereits erfogreich abgeschlossen.
Neue Rechner, in Indien gefertigt, werden mit dem Label "Inder inside" versehen. Als Betriebssystem soll "Indus 2010" zum Einsatz kommen.
Als Basis wird ein Mother-Theresa-Board verwendet.
Auf den neuen Tastaturen fehlt das "Q" ( "Q" ist in Indien heilig, die Benutzung von "Q" hätte unvorhersehbare Auswirkungen).
Folgende Änderungen sind für die Benutzer ab sofort von großer Wichtigkeit:

Mother-Therasa Board - Rolf Glöckner
Mother-Therasa Board
Speicher der neuen Rechner - Rolf Glöckner

Speicher der neuen Rechner
Mouse - Rolf Glöckner
Mouse
- Die häufig zu sehende Sanduhr ist durch einen animierten Guru ersetzt.
- Dr bisherige Microsoft-Papierkorb wird durch "Nirwana" ersetzt.
- Der Task Manager heißt ab sofort "Maharadscha"
- Der Desktop wird durch "Taj Mahal" ersetzt.
- Das bisher im Einsatz befindliche Office-Paket wird gegen "Kaste 2010" ausgetauscht.
- Für den Gang ins Internet wird "Himalaya 5.8" den bisherigen Internet Explorer ersetzten. Dazu gibt es eine neue interaktive Anwendung mit Namen "Kamasutra 6.0". Wird dieses Programm verwendet, erscheint auf der Stirn ihres Rechners ein Punkt.
- Im Laufe des nächsten Monats wird die Oracle-Datenbank durch "Delhi 8.0" ersetzt.
- Die Webcam für die Internettelefonie heisst ab sofort "Shivas Auge".
Weitere Programme, die ab sofort verfügbar sein werden, sind das Grafikprogramm "Brahmane 3.0", das Kalender-Tool "Krishna 3.6" und als Mail-Client findet ab sofort "Atman 3.1" Verwendung.
Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass das Pausenprogramm Moorhuhnjagd durch "Flying Curry Chicken" ersetzt wurde.
Als Sicherungsverfahren soll das Programm Paikriti verwendet werden.
Die Stadtverwaltung verspricht sich von diesem Wechsel eine schnellere Bearbeitung der Anliegen ihrer Bürger..

Stellt sich dem Bürger doch die Frage: Warum jetzt plötzlich Indien, warum nicht China?
(c) Rolf Glöckner

Dienstag, 3. April 2012

Nachwendezeit, so begann es.

Schon 1990 gabe es in den damals noch sogenannten "Fünf Neuen Ländern" sofort viel zu tun. Einige kleine Geschichten aus dieser Zeit haben sich so zugetragen:
In Magdeburg war ein Projekt aufgelegt worden, welches damit befasst war, in der Großgaserei ein Rechenzenrum einzurichten, die Software zu installieren und damit die bestehenden Verwaltungsmöglichkeiten auf einen technisch und betreibswirtschaftlich hohen Stand zu bringen.

Das Projekt sollte schon am 4. Februar, also noch im Winter, beginnen, ich traf dort aber erst, es ging nicht anders, am 5. Februar 1990 mit einer guten Wegebeschreibung, die man mir übermittelt hatte, ein und wurde am Tor der Großgaserei von einem freundlichen Herrn, dem man die Aufregung schon ansah, abgeholt und ins Büro, welches für längere Zeit mein Projektstandort sein sollte, gebracht.


Das Büro hatte den Charme der 50' Jahre, bunte Gardinen, ein Wohnzimmerschrank als Büromöbel, Holzschreibtische und ebensolche Holzstühle mit einem blauen kratzigen Bezugsstoff.



Aber eine Kaffeemaschine war auch schon da und der erste Kaffee brachte mich fast um! Ich schaute nach und sah einen Kaffeefilter, der bis an den Rand mit Kaffeemehl gefüllt war, also als erste Augabe war zu vermitteln, wie man Kaffee kocht. Sie hatten es gut gemeint, aber ich habe in der Nacht senkrecht im Bett gesessen.

Nun wurde das Rechenzentrum angeschaut, welches in einem ehemaligen Zeichensaal technisch einwandfrei eingerichtet war. Nach einem Gespräch mit dem Leiter dieses Projektes, einem IBM'er, der mich auf den Stand des Projektes brachte, begann die Arbeit. Am installierten System waren nach meinen Schätzungen noch einige Veränderungen vorzunehmen, so sollte eine von der eigentlichen Produktion losgelöste Testumgebung eingerichtet werden, damit Softwarewartungen durchgeführt werden konnten, ohne die EDV-Produktion, die sich aus dem Rechnungswesen und diverse anderen Bausteinen zusammensetzten, zu stören.



So verging der Tag mit vielen Vorbereitungen und Gesprächen und dann bekam ich meine Einweisung! Ein kleiner Zettel auf dem stand: "Einweisung ins Bauarbeiterhotel" Man empfahl mir mein Auto auf dem Werksgelände stehen zu lassen und verpasste mir einen Trabbi, mit dem ich knatternd und einer blauen Wolke das Hotel, ein dreizehnstöckiger Plattenbau, auch problemlos mit Zwischengas beim Schalten, erreichte. Dor gab man mir einen Schlüssel, der Fahrstuhl war defekt und so schleppte ich meine Sachen in den 10. Stock, schloss die Zimmertür auf und befand mich in einer Dreiraumwohnung, die aber schon bewohnt war. Die kleine Küche sah grauslich aus, einige schmutzige Töpfe und noch schmutzigere Gummistiefel standen, beziehungsweise lagen unaufgeräumt umher. Ich also mit meinem Gepäck wieder nach unten. An der Rezeption verlangte ich eine Unterbringung nur für mich und wurde etwas merkwürdig angeschaut. Ein Wessi! Ich bekam dann im 7. Stock eine freie Zweiraumwohnung. Am nächsten Morgen, dass will ich hier noch eben erzählen, gab es im Erdgeschoss ein Frühstück. Hinter der Essenausgabe, die an ein Fenster erinnerte, saß eine Matron, die jedes Teil, das ich verlangte, auf ein Tablett schichtete und dann jedes Teil einzeln berechnete. Ich habe noch nie so preiswert gefrühstückt.

Fortsetzung folgt.

(c) Rolf Glöckner