Freitag, 26. August 2011

Stillgestanden!

Ein neuer Abschnitt sollte morgen beginnen, die Grundausbildung bei der Luftwaffe war damit beendet und zurückschauend war es erträglich gewesen. Militärische Dinge waren nur am Rande behandelt worden, mehr ging es um eine fachliche Ausbildung und Ausrichtung der neuen Rekruten. 

Die große Menge der Kleidung und was der Dinge mehr waren, lagen längst auf den Lastwagen zum Transport in die neuen Standorte.
Nachdem wir den ganzen Nachmittag und Abend, nur unterbrochen vom Abendessen, die Stube geputzt und die Flure gebohnert hatten (bohnert man eigentlich Fliesen?), war jetzt der Zeitpunkt des letzten Stubendurchganges gekommen. 
Drei Monate hatten wir acht unterschiedliche jungen Männer uns diesen Raum geteilt und waren gut miteinander ausgekommen, aber bevor dieser letzte, mit viel Geschrei verbundene Durchgang des Wachhabenden stattfinden würde, hatten wir gemeinsam eine Idee in die Tat umgesetzt, die, nachdem alles ruhig geworden war, für einige Verwirrung sorgen sollte.
Der Unteroffizier vom Dienst, ein richtig kleiner Schinder, würde sich sicher noch etwas einfallen lassen, um uns an unserem letzten Tag, den wir in diesem "Hotel zur rostigen Gardine" verbringen durften, wieder zu drangsalieren, er war da sehr erfinderisch und zur Abwehr hatten wir einiges aufgebaut.
Sicher würde er (mal wieder) prüfen, ob die Gardinenleisten, die die alten braunen Verdunklungsvorhänge trugen, während der Reinigung auch an ihrer Oberseite vom Staub befreit worden waren. Das hatte er minttels einer Leiter schon einmal getan, hatte mit weißen Handschuhen an den Händen über die Leiste gewischt, hatte sich dann provozierend umgedreht, über seine Hand geblasen und gefragt: "Sehen Sie mich noch?" Als Strafe durften wir dann gemeinsam die ganze Stube noch einmal säubern und konnten so nicht zeitig ins Wochenende fahren. So ein Teufel!
Das sollte heute nicht passieren und so hatten wir zur Vorbeugung beide Gardinenleisten von oben mit Tapetenstiften gespickt. Sollte er nur darüber streichen, er würde schon sehen!
Und dann war es so weit! Es wurde gepfiffen, die Stubentür wurde aufgerissen und da stand unser Quälgeist. Aufgeregt waren wir schon und angetreten waren wir auch, was sollte da eigentlich noch passieren? 
Der Stubenälteste machte die vorgeschriebene Meldung. Jetzt nahm der UvD die Leiter vom Flur, stellte sie vor das Fenster, stieg hinauf und wischte mit einer eleganten Handbewegung kräftig über die Gardinenleiste, verzog schmerzlich das Gesicht, kräuselte die Stirn, schaute auf seine Hand, schüttelte den Kopf, sagte aber nichts, obwohl der weiße Handschuh in Fetzen von seiner Hand herabhing und aus einigen Fingern das Blut tropfte. Mürrisch und mit Falten auf der Stirn brachte er den Stubendurchgang zu Ende und verliess die Stube. Kurz darauf wurde noch einmal gepfiffen, die Nachtruhe war angeordnet.
So, jetzt noch etwa eine Viertelstunde Ruhe geben, dann sollte es soweit sein. Wir hatten auf einem Spind ein Tonbandgerät mit einem Micro installiert und diesen ganzen Vorgang, eine ganze Kompanie ins Bett zu bringen, aufgenommen und das wollten wir jetzt wieder abspielen.
Inzwischen war alles totenstill geworden, das Ticken des Weckers im Zimmer klang extrem laut und dann drückte einer von uns den Startknopf des Tonbandes.
Der Pfiff (wir hatten natürlich auch zwei Boxen untergebracht), der dann ertönte und eigentlich den Stubendurchgang einleitete, war laut und schrill im ganzen Kasernengebäude zu hören. Auch die Stimme des Wachhabenden war nicht zu überhören.
In den Stuben nebenan brach der Tumult los, alles sprang zum erneuten Antreten aus den Betten, wenig später taucht der Unteroffizier vom Dienst, ziemlich verstört schauend, auf und forderte Ruhe. Offensichtlich handele es sich um einen Scherz. Das glaubte ihm so recht keiner und so war die Nacht ziemlich unruhig und mit viel Lauferei verbunden. Wir hatten unseren Spaß, schliefen noch ein wenig und am nächsten Morgen ging es in die Busse, die uns zu den neuen Standorten bringen sollten. Alle Stubenkameraden begleiteten mich nach Oldenburg, dort würden wir auf dem Fliegerhorst im Flugbetrieb und in der Flugsicherung mitarbeiten, eine, wie sich später herausstellte, äußerst interessante Aufgabe, auf die wir ja schon während der Grundausbildung, nur wenig Dienst im Gelände, fachlich vorbereitet worden waren.
Die Zeit und die Aufgaben, verbunden mit Schichtdienst, aber auch viel Freizeit, habe ich genossen und wäre ich zu dem Zeitpunkt nicht schon so intensiv mit der Datenverarbeitung in Kontakt gewesen, wer weiß, vielleicht wäre ich geblieben.






Bei diesen Soldaten und auf dieser Dienststelle habe ich mich sehr wohl gefühlt.                        





(c) Rolf Glöckner

Sonntag, 21. August 2011

Go South!

Die Zeit, sie ist jetzt bald gekommen
ich bin dann ein'ge Tag fort.
Bin auf der andren Seit' der Erde
doch nicht an unbekanntem Ort.

Chicago 2 Tage
Chicago ist die Anfangsstelle
dort wird's ne Rundfahrt geben
Fahrt auf Lake Michigan ganz schnelle
bevor wir uns dann wegbewegen.

Springfield 1 Tag
Am nächsten Tag ist Springfield Ziel
Abraham Lincoln seh'n, das gefiel.
Das wird schon ganz besonders schön
Ihr werdet's  im September sehn.

St. Louis 2 Tage
Dann geht es weiter zu Mark Twain
wo Tom den Zaun dort strich,
wahrscheinlich ist er längst gewichen
mit neuem Brett und neuem Strich.

Wir werden auch die Stadt befahren
wie sie sich zeigt in all den Jahren
bevor dann weiter geht die Reise
nach Nashville, 's gibt Country zu erfahren

Nashville 2 Tage
Hall of Fame Country Music dort
gar vielen ist wohl bekannt der Ort
am Abend gibts die große Show
Ol'Opry im Radio.  WOW!

Und sonst gibt's sicher auch Natur,
auch Parks sind wieder in der Spur
Die Tage fliegen so dahin
bevor ich dann in Memphis bin

Memphis 1 Tag
Am nächsten Tag ist Elvis dran
Graceland stehet auf dem Plan
ich freu mich schon auf viele Dinge,
kann sein, dass ich dann Lieder singe!

Vicksburg 2 Tage
Von Memphis führt der Weg dann fort
ganz schnell schon an den nächsten Ort
Tupelo wird Station gemacht
hat Elviskind der Welt gebracht.

Vicksburg ist Bürgerkriegesstadt
General Grant viel Tag belagert hat
Der Krieg war schrecklich man wird sagen
werd' Opfer in dem Kampf beklagen.

Spielschiffe auf dem Missisip
da spiel ich nicht, hab doch kein Glück
doch schon gehts weiter auf der Tour
der Bus mit uns, er fuhr und fuhr.

Nachetz / Baton Rouge 2 Tage
Die Reise jetzt nach Nachetz geht,
hier ist der Süden, wie ihr seht,
Plantagenland und ganz tief "South"
hier mach ich mal die Augen auf.

Baton Rouge mit Antebellum,
ja, da schau ich mich schnell um
bin jetzt schon vollgefüllt mit Sichten
werd erzählen viel Geschichten

New Orleans 3 Tage
Bald am Ziel des großen Weges
New Orleans und ich erleb es.
Auch dort gibt es wieder viel zu schauen
und Kamera ist abzubauen,
denn schon bald geht es zurück,
ich danke für dies' große Glück,
das ich das Land so durft erleben
wer's möcht, dem will ich's weitergeben.















(c) Rolf Glöckner

Oriah Mountain Dreamer, Fragen zum Leben

Es ist nicht wichtig……

"Es ist für mich nicht wichtig, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.

Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es ist für mich nicht wichtig, wie alt du bist.

Ich möchte wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendig seins.

Es ist für mich nicht wichtig, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.

Ich möchte wissen, ob du den tiefsten Punkt deines Lebens berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.

Ich möchte wissen, ob du mit dem Schmerz - meinem oder deinem - da sitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.

Ich möchte wissen, ob du mit der Freude - meiner oder deiner - da sein kannst, ob du mit Wildheit tanzen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen erfüllt mit Begeisterung, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft, oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.

Es ist für mich nicht wichtig, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist.

Ich möchte wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.

Ich möchte wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig.

Ich möchte wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du Dein Leben aus der Kraft des Universums speisen kannst.

Ich möchte wissen, ob du mit dem Scheitern - meinem und deinem - leben kannst und trotzdem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmonds rufst: - Ja! -

Es ist für mich nicht wichtig, zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast.

Ich möchte wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft, und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für die dir Nahestehenden getan werden muss.

Es ist für mich nicht wichtig, wer du bist und wie du hergekommen bist.

Ich möchte wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.

Es ist für mich nicht wichtig, wo oder was oder mit wem du gelernt hast.

Ich möchte wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.

Ich möchte wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt. "

(Oriah Mountain Dreamer, indianische Heilerin aus Kanada)


Donnerstag, 18. August 2011

Zornebock

Ich war noch klein und auch ganz schmächtig
der Sprache aber schon gut mächtig.
Ich spielte viel im Haus herum
und manches, was ich tat, war dumm.

Oft fragten die Geschwister dann,
"Was hast Du nun da jetzt getan?
Das ist verboten schon recht lang!"
und machten mich damit ganz bang.

"Wir sagen es, was Du gemacht,
die Mutter ganz bestimmt nicht lacht.
Du wirst dann Hausarrest bekommen
und wir hab'n Dir den Spaß genommen."

Sie triezten mich und war'n nicht lieb
da gab's nur etwas, das mir blieb,
ich lief rot an und stampfte auf
und dann, dann nahm es seinen Lauf!

Die Zornesröte im Gesicht
sprang ich herum, mehr wie 'ne Katze
war richtig bös und schrie:
"Ich platze!"

Wenn man mich aber heute schaut
warum fuhr ich so aus der Haut?
Weil Ärgern konnt' ich nicht vertragen
das wollte ich hier einmal sagen.

Doch jetzt, viel' Jahre sind vergangen,
mein Leben hat neu angefangen.
Schreib Bücher und auch gerne Reime,
fühl mich damit nicht mehr alleine.

Freu mich, wenn ich kann etwas Neues lesen
das nimmt viel Einfluß auf mein Wesen.
Die Seele wurd' damit beglückt
und hat mich manches Mal entrückt.

So sag ich Dank an diesem Platze
werd nicht mehr springen wie ne Katze,
werd' nie mehr schreien laut und schrill,
geniess das Leben, lebe still.

Geh' viele Wege, schau umher
's gibt Möglickeit en Masse
vielleicht kommt doch mal jemand her
sah ich ihn auf der Straße?





Der?  Zornebock?

Mittwoch, 17. August 2011

Knecht Ruprecht

Schon lange vor dem 6. Dezember, dem Nikolausabend, ging bei ihm die Angst um.
Der Nikolaus sollte kommen und der Knecht Ruprecht, ein dunkler Geselle, würde ihn begleiten. Von ihm wurde erzählt, er würde Kinder, die während des Jahres nicht artig gewesen sein, in einen großen Sack stopfen und mitnehmen und irgendwo, wo er lebte, sollten sie ihre gerechte Strafe bekommen. Die Eltern hatten diese Angst auch noch geschürt, indem sie seine kleinen Nickeligkeiten, die er im Laufe des Jahres begangen hatte, immer wieder zur Sprache brachten.
Und nur war der Tag gekommen, es wurde langsam dunkel und alle hatten sich in der großen Wohnküche versammelt. Er drückte sich in die Ecke des alten Sofas und das Herz schlug ihm bis zum Hals, als es plötzlich an der Tür klopfte. Man öffnete und herein kam der Nikolaus, angetan mit einem roten Mantel, einen langen Stab in der einen, ein großen Buch in der anderen Hand. An seinem Gürtel war ein kleines Jutesäckchen festgeschnallt und an seinen Stiefeln klebte noch der Schnee. Er wandte sich den Kindern zu, die jetzt etwas erleichtet waren, der Knecht Ruprecht war nicht gekommen, und sprach ihn mit tiefer Stimme, indem er sein großes Buch aufschlug:
"Na, da sehe ich aber Dinge, die ein lieber und ordentlicher Junge nicht tun sollte. Da steht auch, daß Du dem Nachbarn Wasser in seine Holzschuhe geschüttet hast, seine Kaninchen freiliessest, in der Schule nicht immer fleißig gewesen bist, Deinen Eltern Widerworte gabst, nicht immer gehorchen wolltest und was da der Dinge mehr sind. Ich habe hier eine ganze Seite meines Buches vollgeschrieben." Er duckte sich verängstigt und wartete auf die wohl nun folgende Strafpredigt. Erst aber waren Bruder und Cousine dran, auch mit den Beiden hatte er einiges zu besprechen. Als er fertiggesprochen hatte, nestelte er den kleinen Jutesack von seinem Gürtel, warf ihn zu Boden und sagte: "Wenn Ihr mir aber versprecht, wieder artig zu sein, so habe ich Euch doch etwas mitgebracht, das ihr unter Euch aufteilen sollt."
Da plötzlich wurde die Tür aufgerissen und der Knecht Ruprecht stand im Raum. schrecklich anzusehen und dunkel gekleidet mit einem Pelz, eine Pelzmütze auf dem Kopf, ein schrecklicher schwarzer Bart stand von seinem Gesicht ab, welches ebenfalls schwarz war. Um seinen Bauch war eine rostige Kette gewickelt und and den Füßen trug er hohe schwarze Stiefel.
Aber das Erschreckendste, welches er bei sich trug, war ein oben zugebundener großer Sack, aus dem zwei Schuhe herausragten.

Da war aller Mut dahin und während seine Cousine laut aufschrie, der Bruder wie erstarrt auf seinem Stuhl saß, schoß er, so schnell er konnte, unter das Sofa. Dort blieb er, bis die beiden, der Nikolaus und sein Knecht, Gott sei Dank, ohne jemanden in den Sack zu stecken, gegangen waren und er schwor sich, im nächsten Jahr artig und fleißig zu sein.
Erst nach einer Stunde traute er sich unter dem Sofa hervor, denn da war ja noch der kleine Sack, da sollte ja etwas darínnen sein. Und so gab es Süßigkeiten, für jeden eine Apfelsinde und viele Nüsse.
Am nächsten Morgen, als er das Ereignis vom Vorabend Revue passieren liess, kamen ihm einige Dinge merkwürdig vor. Warum hatte Knecht Ruprecht einen Pelz an, der wohl seiner Mutter gehörte? Und warum hatte der Nikolaus Stiefel an, die seinem Onkel Hans gehörten? Fragen über Fragen, für die er wohl keine Lösung finden würde. Im nächsten Jahr aber war alles anders, da war er ja schon, weil inzwischen Schüler, viel aufgeklärter!

(c) Rolf Glöckner

Dienstag, 16. August 2011

Drei Falken

Alle Tiere, die irgendwo verletzt aufgegriffen wurden, landeten immer in unserem alten Haus. Ansprechpartner war, weil ein großer Tierfreund, mein Onkel Hans, er wusste immer Rat, was in dem speziellen Fall zu tun sei.
Dieses ist nur eines der Erlebnisse, die ich in meiner Jugend mit Tieren hatte.
Jäger auf der Jagd nach Raubvögeln, damals wurde ja leider auf alles geschossen, was wie ein Raubvogel aussah, waren durch den Buchenwald oberhalb unseres Hause gepirscht und hatten dabei ein Wanderfalkenpaar erlegt. Die Falkenfrau hatte aber gerade Junge, die in einem Nest hoch oben in einer Buche saßen und nun dem Tode geweiht waren.

Mein Onkel aber, der diese interessanten Raubvögel schon eine Weile beobachtet hatte, stellte sehr bald das Fehlen der Altvögel fest. Was nun nun?
Eine Rettungsaktion wurde eingeleitet, aber wie sollte man das Nest dort ganz oben in der Buche erreichen? Es wurde hin und her überlegt aber mein Onkel war ja Zimmermann! Also wurden auf die Schnelle zwei junge Birken gefällt und daraus eine lange Leiter gebaut. Die trugen wir nun gemeinsam zur Buche hin. Die Leiter war gerade so lang, dass ein unterer Ast erreicht werden konnte. Mein Onkel kletterte die Leiter hinauf, nicht ohne mit einem langen Seil und einem Tuch versehen zu sein, dann verschwand er im Blätterdach. Nach geraumer Zeit erschien ganz oben, festgeknotetet am Seil, ein zusammengeschlungenes Tuch, aus welchem ängstliches Gepiepe ertönte. Darin drei Federbälle, die ängstlich nach ihren Eltern riefen. Wieder unter, zerlegte mein Onkel die Behelfsleiter wieder, nahm mir das Tuch, in dem es jetzt kräftig zappelte, ab und wir machten uns auf den Heimweg. Dort wurde auf die Schnelle aus Latten und etwas Hühnerdraht ein Platz für die jungen Falken geschaffen und ich bekam etwas Geld in die Hand, um vom Schlachter frisches Fleisch zu holen, mit denen die Federbälle, die nun ganz verschüchtert in ihrer neuen Behausung saßen, gefüttert werden sollten.
Als ich zurückkam, hatte mein Onkel bereits ein seltsames Gestell neben sich stehen. Als ich ihn fragte, was das denn nun sein, antwortete er: "Eine automatische Mausefallen, die werden wir heute abend schon im Stall aufstellen, dort sind bestimmt Mäuse genug, wir brauchen lebende Atzung, die wir dann zum Füttern aufteilen müssen:"
Das kam mir doch ziemlicht grausig vor und ich schüttelte mich bei dem Gedanken, soetwas tun zu müssen.


 Zuerst aber bekamen die drei Jungvögel ihre erste Nahrung, ich half, so gut ich konnte, die kleinen Krallen und auch die Schnäbel waren aber schon scharf und  so ich trug beim Füttern einige Kratzer von den sich zuerst heftig sträubenden kleinen Falken davon, bei der nächsten Fütterung würde ich mir besser Handschuhe anziehen!
Inzwischen war die Falle, mit Käse als Köder versehen, in einer Ecke des Stalles aufgestellt worden.
Am nächsten Morgen sahen wir gemeinsam nach der Mausefalle und siehe, drei Mäuse saßen gefangen in einer Dose, die sich im Inneren der Falle befand. Was Onkel Hans dann tat, wollte ich besser nicht sehen, beim Füttern habe ich aber doch immer wieder geholfen und sie wuchsen heran, bis wir sie auswildern konnten. Noch lange trieben sich die nun erwachsen gewordenen Falken in der Nähe unseres Hause herum, denn das war ja für geraume Zeit ihr Ersatznest gewesen.



Inzwischen war der nächste Pflegefall eingetroffen! Eine Schleiereule mit einem geschienten Bein hockte auf Mutters Wohnzimmerschrank.....

(c) Rolf Glöckner

Sonntag, 14. August 2011

Balduin und Fips

Balduin war der unumschränkte Herrscher auf dem Hühnerhof, ein stolzer Hahn vom Geschlecht der rebhunfarbigen Italiener und Fips war ein mürrischer, schon in die Jahre gekommener Spitz, der glaubte, auf dem gesamten Grundstück das Sagen zu haben und dieses auch durch Knurren und dem Aufstellen einer Rückenbürste gelegentlich zeigte.

Der Hahn Balduin aber war der Herrscher der Lüfte und von seinem Lieblingsbaum aus, dem Beschneiden der Schwungfedern, die ihn am Fliegen hindern sollten, hatte er sich immer aufs Neue entzogen, übersah er den Weg zum Haus, den großen Vorplatz und große Teile des Gartens.
Dort hocke er, wenn er nicht gerade fraß oder seinen Hahnenpflichten nachkam, wachte über alles, auch wenn es  manchmal so aussah, als schliefe er.



Das Haus war voll, die Großeltern und eine Tante mit Tochter, die in Ungarn gelebt hatten, waren bald nach Beendigung des zweiten Weltkrieges, weil sie immer "deutsch" gewesen waren, von der ungarischen Regierung ausgewiesen worden.


Sie waren bei uns aufgenommen worden und warteten darauf, in eine Wohnung zu ziehen, die aber noch nicht fertig war. Zudem lebten hier die Familie mit drei Kindern, weitere Großeltern und ein Onkel. All diese Menschen waren dazu noch umgeben von allerlei Getier und darüber wachten Balduin und Fips.
Nun hatte das Mädchen, das Käthchen, sich mit einem Nachbarmädchen angefreundet und diese wollte nun zu uns kommen. Sie ging also den schmalen Weg zum Haus hinauf, Fips lag irgendwo, schlief wohl und meldete sich nicht.
Die beiden Mädchen trafen sich auf dem Hof, aber da saß ja der wachende Balduin. Er stieß ein lautes Krähen aus, erhob sich in die Luft und landete auf dem Kopf der Besucherin und begann, heftig mit den Flügeln zu schlagen. Diese schrie gellend auf, das weckte Fips auf!
So schnell er noch eben konnte, rannte er auf den Hof, erblickte eine für ihn völlig konfuse Situation und schloß daraus: "Beißen"! Das tat er und das Mädchen schrie noch mehr. Der im Hause lebende Onkel kam gelaufen und trennte die Kontrahenten. Es war nicht so schlimm geworden, wie es vielleicht im ersten Augenblick ausgesehen hatte.
Der Hundebiß, Fips war ja schon alt, hatte die Wade nicht verletzt, es gab nur eine Druckstelle, am Kopf war auch nichts zu sehen, allein der Schreck ob dieses Überfalls saß dem Mädchen noch lange in den Knochen und sie mochte lange den Hof nicht mehr betreten.
Fips bekam sein Gnadenbrot und Balduin nahm ein unrühmliches Ende. Er flog oftmals in der Gegend umher und so kam er einem Jäger vor die Flinte, der hielt ihn wohl für einen Fasanenhan und drückte ab. Als er seinen Fehler erkannte, brachte er den Leichnam zu uns und was taten wir ? Wir aßen ihn auf.

(c) Rolf Glöckner

Devils Tower und die Plejaden

Der Berg, heute genannte "Devils Tower",ein Monolith aus Magma, ragt am Rande der Black Hills, Wyoming, etwa 290 Meter in die Höhe.

Seiner Form verdankt er zwar dem Vulkanismus, der vor etwa 60 Millionen Jahren Magma nach oben beförderte, wo sie in der Form von sechseckigen Säulen kristallisierte. Die Kiowa allerdings, die gemeinsam mit den Lakota, sie verehren diesen Berg als heilig, haben zur Entstehung dieses Berges eine ganz andere Interpretation und die wiederum hat mit den Plejaden, genannt auch "Die sieben Töchter" oder "Die sieben Jungfrauen" zu tun.



Einst lebten in dieser Gegend von Wyoming Kiowa-Indianer, die diesen Berg "Mateo Tepee" nannten, "Heim des Grizzly". Ihrer Sage nach entstand der Berg, als ihrer Vorfahren vor langer Zeit in dieser Gegend ein Dorf errichtetet, um im Schatten des heiligen Berges zu leben.
Eines Tages spielten sieben kleine Indianermädchen in einiger Entfernung zum Dorf ihre Spiele. Sie tollten umher und plötzlich tauchten mehrere Grzzlybären auf und näherten sich den Kindern.
Die Mädchen flohen, so schnell sie ihre Füße tragen wollten, zurück zum Dorf. Die Bären aber waren viel schneller und kamen den Mädchen weit vor dem Dorf bedenklich nahe. In ihrer Not sprangen die sieben auf einen kleinen Felsbrocken, der ihnen aber keine Sicherheit vor den Bären bot. In ihrer Angst flehten sie den Stein an: "Fels, habe Mitleid mit uns, Fels, rette uns vor den Bären!" Der Fels erhörte die Kinder und begann ganz plötzlich sehr schnell in die Höhe zu wachsen. Die Bären in ihrer Wut sprangen am Felsen empor, hieben ihre Krallen in den Fels, rutschten aber immer wieder ab und die Spuren ihrer Wut sind noch heute am Mateo Tepee zu sehen.


Da die Mädchen den Fels aus eigener Kraft nun nicht mehr verlassen konnten, wuchs dieser bis in den Himmel hinein und setzte die sieben Indianermädchen auf das Himmelszelt: Dort sind sie noch immer als das "Siebengestirn" zu sehen.

Plejaden

Als eine Pilgerstätte wird der heilige Berg noch immer von den Lakota besucht, um dort mit dem großen Geist zu sprechen. An Bäumen und Sträuchern knoten sie ihre Wünsche, die man bei genauem Hinsehen entdecken kann.


Leider treiben heute oftmals Bergsteiger an diesem heiligen Berg ihr Unwesen, die Indianer sehen dieses als eine Entweihung an und versuchen, die Bergbesteigung verbieten zu lassen. Hoffentlich gelingt es!

Und so sollten wir bedenken:

"Der Mensch hat das Netz des Lebens nicht gewebt, er ist nur ein Faden darin. Was immer er ihm antut, tut er sich selbst an."
(Chief Seattle)

(c) Rolf Glöckner


Freitag, 12. August 2011

Der Wimpel

Am Tag zuvor war er durch seinen Lieblingswald gestromert und hörte plötzlich Sprechen, Lachen und die verschiedensten Geräusche. Vorsichtig schlich er durchs Unterholz auf die Geräusche zu. Ein Pfadfinderlager!
Einige Kothen waren aufgebaut, eine Feuerstelle mit einem Kessel befand sich in der Mitte, ein Wimpel war aufgezogen und etwa zwanzig Kinder konnte er zählen. Auch waren einige größere Jungen dabei.
Das war ja etwas ganz Neues in seinem Wald! Was hatten die hier zu suchen?


Schnell machte er sich auf den Heimweg, denn jetzt mußten die erforderlichen Vorbereitungen getroffen werden, welche, das würde er den anderen Jungen aus der Nachbarschaft schon mitteilen. Die Freunde waren schnell zusammengetrommelt und er erzählte ihnen von dem Lager. "Heute Nacht gehen wir hin und stehlen ihnen ihren Wimpel, er ist an einem Pfahl befestigt und steht mitten im Lager. Es ist die größte Blamage für einen Pfadfinder, wenn aus dem Lager der Wimpel entwendet wird. Wir treffen uns also, wenn ihr denn wollt, um Mitternacht, brauchen etwa fünfundvierzig Minuten, um das Lager zu erreichen, stehlen  den Wimpel, machen uns auf den Heimweg und wenn alles klappt, sind wir gegen zwei Uhr wieder im Bett. Ich lege die notwendigen Sachen, Taschlampe für den ersten Teil des Weges, etwas Ruß, um die Gesichter zu schwärzen und ein Messer, um den Wimpel abzuschneiden, bereit. Wer macht mit?"
Einige der Jungen hatten Einwände. "Wie kommen wir denn aus dem Haus? Wo treffen wir uns? Was wird, wenn wir es nicht schaffen? Wie kommen wir wieder ins Haus?"
"Alles halb so schlimm" sagte er, "aus dem Fenster oder leise zur Haustür raus, dann aber den Schlüssel nicht vergessen und wir treffen uns hier oben auf der Kuppe des Hügels, dort wo der alte Bunker aus dem Krieg war, ihr wisst schon".
Aufgeregt trennten sie sich, sollten sie doch in der Nacht ein Abenteuer erleben. Er ging ins Haus und legte die Dinge, die er mitzunehmen gedachte, in den alten Schuhschrank auf dem Flur und legte sich ins Bett. An Schlafen war sowieso nicht zu denken und so las er noch ein wenig. Kurz vor Mitternacht stand er auf, zog sich geräuschlos an, holte alles aus dem Flurschrank, packte es in einen dunklen Beutel,  öffnete das Fenster und stieg auf das davorliegende Flachdach, unter dem sich nur ein Stall befand. Leise schlich er an den Rand, wo sich eine breite Mauer anschloss, die an einer Böschung endete. Vorsichtig, Schritt für Schritt, ging er hinüber. So, das Schlimmste war überstanden. Er tauchte ein in das Dunkel des am Haus angrenzenden Wäldchens und erreichte nach etwa fünf Minuten den Treffpunkt. Zwei der Freunde warteten dort bereits und bald waren sie vollzählig. Mit etwas Ruß schwärzten sie ihre Gesichter und machten sich auf den Weg.
Zuerst noch mit der Taschenlampe, die ihnen den holprigen Weg, den sie zu gehen gedachten, etwas erleuchtete, gingen sie in Richtung des Zeltlagers. Jetzt hieß es "Licht aus!" und in der Dunkelheit krochen sie auf das Lager zu. In der Mitte des Platzes glimmten noch einige Holzscheite des Lagerfeuers, der Wimpel hing schlaff an seiner Stange und von einer Wache war weit und breit nichts zu sehen.

 Das würde einfach werden! Zu zweit bewegten sie sich vorsichtig über den Platz und mit einer katzenhaften Bewegung schnellte er hoch, das Messer durchschnitt das Seil und der Wimpel fiel herab. Schnell griff sein Freund zu und dann liefen sie schnell, leider zu schnell und nicht mehr lautlos, über den Platz auf das Unterholz zu. Etwas knackte laut und plötzlich war Licht in einer der Kothen, einige Pfadfinder krabbelten verwirrt aus dem Zelt und leuchteten mit ihren Taschenlampen herum. Das hätten sie besser nicht getan, denn das Licht blendete sie und so entging ihnen, dass die fünf Freunde bereits im Gebüsch untertauchten.  Sie überquerten ein Stück Wiese und verschwanden unter hohem Farn, der in einem Birkenwäldchen ein stattliches Ausmaß erreicht hatte. Jetzt waren sie in Sicherheit, hier würde sie niemand finden. Jetzt vernahmen sie lautes Geschrei aus dem Lager, erst jetzt hatte man entdeckt, dass ihre Fahne verschwunden war. Die Freunde, den Wimpel wie eine Trophäe schwenkend, machten sich nun schnell auf den Heimweg. Wie geplant waren sie rechtzeitig daheim und niemand hatte etwas gemerkt! War das aufregend gewesen und fast wäre man erwischt worde, aber alles war gut abgelaufen.
Am nächsten Nachmittag trafen sie sich wieder und brachten das gestohlene Pfadfinderzeichen ins Lager zurück, das gehörte sich einfach so. Auf dem Heimweg, nachem die Pfadfinder ihre Fahne dankbar wieder zurückgenommen hatten, versprachen sie sich, niemanden etwas von diesem nächtlichen Ausflug zu erzählen, Großes Pfadfinderehrenwort!  Es hatte ja niemand etwas gemerkt, vielleicht geahnt, denn seine Mutter hatte sich am nächsten Morgen, er war längst in der Schule, über die schwarzen Flecken auf seinem Kopfkissen doch ein wenig gewundert.

Donnerstag, 11. August 2011

Kino

Morgen, so hatten die Freunde abgesprochen, wollten sie gemeinsam ins Kino, es sollte ein Western mit dem Titel "Sein Engel mit den zwei Pistolen" aufgeführt werden. Allerdings hatten die Jungen, wie eigentlich immer, ein kleines Problem und das nannte sich "Geld". Was also tun? Es wurde beratschlagt, wie man denn an die immerhin fünfzig Pfennige für die Reihen eins bis vier oder an achtzig Pfennige für den Sperrsitz kommen sollte.
Das alte Kino, im Saal einer Gaststätte eingerichtet, hattet etwas Neues eingeführt, eine neue Leinwand, die sich Breitwand nannte, und da wollten die Jungen natürlich die Ersten sein, die in diesen Genuß kommen durften.
Also mußten sie etwas tun, und da kam Bruno eine Idee. An einem Teich, ganz verwunschen hinter einem großen Gut, auf dem Araberpferde gezüchtet wurden, gelegen, wuchs Schilf und damit waren dort auch Rohrkolben zu finden. Es war ja schon Herbst, und vielleicht boten die Rohrkolben ja die Möglichkeit, sie als Schaufensterdekoration den wenigen Geschäften im Ort anzubieten. Es war einen Versuch wert und so machten sich die fünf Freunde auf den Weg und es gelang ihnen, einige dieser wunderschönen braunen "Lampenputzer" zu ergattern. Das war nicht ganz ungefährlich, war doch der Rand des Teiches ziemlich sumpfig. Alle bis auf Kurt, genannt der "Dicke Kuddel" hatten hatten nasse Füße, er hatte die Aufgabe, das Tau zu halten, an dem sich die Jungen vorsichtshalber festgebunden hatten.
Nun in den Ort und es gelangtatsächlich, einige der Rohrkolben zu verkaufen. Der Erlös betrug drei Mark und das würde für fünf Personen und Reihe eins bis vier reichen.


Jetzt galt es noch Kurts Mutter zu überzeugen, ihren Sohn ins Kino gehen zu lassen, sie war sehr fromm und Western? Nein, diese Art Filme durfte ihr Kurt nicht sehen, das hätte ja etwas an ihm vererben können. Da hatte Klaus eine grandiose Idee!
Kurzerhand taufte er den Fimtitel  in "Der Engel mit dem Flammenschwert" um. Solch ein Film war dann Kurts Mutter wohl genehm und so durfte er uns am nächsten Tag ins Kino begleiten.

Der Engel mit dem Flammenschwert
Am darauffolgenden Tag fuhren sie auf ihren Rädern zum Kino, stellten diese ab und strebten der Kasse zu. Oh Schreck, mit Einführung dieser neuen Leinwand waren die Preise erhöht worden und der billigste Platz kostete nun achtzig Pfennig, somit fehlte den Fünfen eine Mark! So ein Elend, einer der Freunde konnte dann eben nicht mit hinein und so schlichen sie um das Saalgebäude herum, um zu schauen, ob sich nicht eine Möglichkeit ergeben würde, den Film, ohne Eintritt zahlen zu müssen, doch zu sehen.  Auf der Rückseite des Saalgebäudes fanden sie zwei vergitterte Fenster und dahinter befanden sich die Toiletten des Kinos, das wäre doch eine Möglichkeit, da könnte man sicherlich hinein!
Wer aber sollte, es konnte ja erst nach Beginn des Films geschehen, durch die Gitter ins Kino einsteigen? Die Platzanweiser zogen sich immer nach Beginn des Filmes in die Gaststätte zurück, um dort etwas zu trinken.
Es wurde gelost und es traf.... Kurt, den dicksten der Freunde.
Also, die vier Jungen kauften ihre Karten, gingen in den Kinosaal, suchten sich einen Platz in Reihe vier, ganz am Rand und der Film, nach allerlei Vorschau begann.
Da stand Werner auf und ging zur Toilette, die Platzanweiser hatten den Kinosaal ja bereits verlassen.
Er öffnete das Fenster und rief Kurt. Der versuchte nun, sich durch die eng nebeneinander stehenden Gitterstäbe hindurchzuschieben und.... er blieb stecken! Er ging nicht vor und nicht zurück, Werner versuchte, ihn hindurchzuziehen, aber das klappte nicht. Die zurückgebliebenen Freunde im Kino wurden schon nervös.
Wo blieben denn die zwei?  Klaus erhob sich, um nachzuschauen, aber auch er kam nicht zurück!
Dann ging Bruno ebenfalls und zu dritt gelang es ihnen, denn festsitzenden Kurt mit vereinten Kräften nach innen zu ziehen, was nicht ohne einige Schrammen an Kurts Bauch und Beinen abging. Gemeinsam gingen sie wieder ins Kino zurück, genossen den Film auf der auch von Reihe vier aus riesigen Leinwand und als der Film zu Ende war, löste sich die immer noch vorhandene Spannung, man hätte sie ja auch erwischen können, in einem lauten Gelächter. Sie gingen heim und schworen sich, so etwas nicht noch einmal zu versuchen, zumindest nicht mit Kurt.

Zum Film:
Peter Potter alias Bob Hope reitet als Zahnarzt "Dr. Schmerzlos" durch den Wilden Westen. Ständig wollen ihm Indianer, Banditen und Patienten ans Leder. Da kreuzt Calamity Jane (Jane Russell) auf, die ihn vor dem Marterpfahl rettet und sofort heiraten möchte. Der ebenfalls sofort verliebte Hasenfuß ahnt allerdings nicht, dass Jane Agentin ist und ihn nur zur Tarnung braucht…

gesehen in Deadwood, South Dakota

(c) Rolf Glöckner

Mittwoch, 10. August 2011

OMI und das Kofferradio

Es kam, wie es kommen mußte, ich durfte nicht länger zur Schule gehen, mit der Mittleren Reife sollte Schluß sein! Gern hätte ich weiter gemacht und vielleicht sogar studiert, denn die Physik und auch die Astronomie hatten mich immer aufs Neue fasziniert und ich war wie süchtig nach neuen Erkenntnissen aus Natur und Wissenschaft, die damals nur mühsam zu beschaffen waren.
Gefragt nach Berufen, die ich gerne ergriffen hätte, wurde ich nicht und da mein Bruder und auch meine Cousine eben diesen Weg schon vor mir beschritten hatten, wurde ich  bei der "OMI", der "Oeseder Möbel Industrie" zu einer Ausbildung als Industriekaufmann mit der Begründung: "Lern mal erst etwas Vernünftiges, dort werden sie dir die Flausen schon austreiben!" angemeldet.


"OMI" heute
Das Unternehmen, ein Familienbetrieb, wurde von der Familie Wiemann und deren Verwandten gut geführt. Hergestellt wurden Möbel, besonders Schlafzimmer und Kleinmöbel wie Couchtische und kleine Regalschränke.  Der Verkaufsschlager allerdings war die "Sesam-Bar", ein Eckschrank mit einem drehbaren Innenleben, vorn wie ein kleines Bücherregal, dahinter verbarg sich die kleine Hausbar mit einem Spiegel, damit alles darin wohl größer aussehen sollte.




Hier wird die "Sesam-Bar" gebaut

Das erste Lehrjahr verlief schleppend, denn zuerst mußte ich lernen, wie "Buchhaltung" geht, das gefiel mir nicht, auch weil die Mitarbeiter in dieser Abteilung die "Lehrlinge" als billige Hilfskräfte betrachteten. Bald aber kam ich in den Bereich Verkauf und dort gefiel es mir schon besser, da war Leben, da waren Kunden, da gingen ununterbrochen Bestellungen ein, die dann zur Fertigung weitergegeben werden mussten. Als auch diese Zeit endete, kam ich zu "Vatter", er leitete die Versandabteilung und war der Bruder des Firmeninhabers. Seine Familie, also seine Frau und seine Tochter nannten alle Angestellten nur "Vatter", "Mutter" und "Kind", wir als Auszubildende hätten uns soetwas natürlich nicht getraut.

Welch eine Rolle spielte denn nun das Kofferadio bei dieser Geschichte?
Im Büro der Versandabteilung stand ein Kofferradio, es gehörte "Vatter" und war sein ganzer Stolz. Wenn es etwas ruhiger war, alle Touren zusammengestellt waren, die Firma hatte einen eigenen Fuhrpark, durften wir gemeinsam Radio hören, aber nur er durfte es bedienen!
Und es kam, wie es kommen musste. Eines Tages verweigerte das Radio seinen Dienst, ein Sender konnte nicht mehr eingestellt werden, das Skalenband war abgerissen.  Jetzt war guter Rat teuer.
Heute weiß ich nicht mehr, welcher Teufel mich gerade ritt, als ich ihm anbot, das Gerät mit nach Hause zu nehmen, um es dort zu reparieren. Was "Vatter" nicht wusste, war die Tatsache, dass ich mir mein eigenes Radio aus verschiedenen alten Radios und einigen Ersatzteilen, bei deren Beschaffung mir oftmals mein Onkel mit einer kleinen Geldspritze geholfen hatte, selbst zusammengebaut hatte. Und Skalenband hatte ich noch ausreichend zur Verfügung. Ich nahm also das Kofferradio an mich, nicht ohne einige lautstarke Ermahnungen von "Vatter" mit auf den Heimweg zu bekommen. Das Projekt gelang und am nächsten Morgen war ich schon früh im Büro, stellte das Radio auf seinen Lieblingssender ein und tat, als er kam, vollkommen unbeteiligt. Er aber dann sehr erfreut über das wieder funtionierende Kofferradio und es war das erste und einzige Mal, dass ich von ihm eine "Danke" hörte.
Etwa zwei Monate später sollte ich zum allgewaltigen Chef kommen. Mit einem flauen Gefühl im Magen meldete ich mich im Sekretariat und wurde auch gleich vorgelassen. Hinter seinen gewaltigen eichenen Schreibtisch thronte der Firmeninhaber und forderte mich sehr freundlich auf, doch Platz zu nehmen. Mir zitterten die Knie, ein Taschentuch, welches ich in der Hand hielt, war schon schweißnaß und noch immer wußte ich nicht, was da auf mich zukommen sollte.
Nachdem der Allgewaltige sich eine dicke Zigarre angezündet hatte, sah er mich freundlich an und sagte: "Mein Bruder hat mir erzählt, Sie besäßen ein großes technisches Verständnis und seinen auch sonst von einer schnellen Auffassungsgabe und die können wir jetzt brauchen. Wir planen den Einsatz von konventionellen Datenverarbeitungsmaschinen, also erst einmal Lochkartenanlagen und ich würde mich freuen, wenn Sie uns dabei helfen könnten".
Ich war so sprachlos, dass es mir nur mit Mühe gelang, eine "Gerne" herauszustottern.
Am nächsten Tag war ich schon versetzt in die Lochkartenabteilung, Maschinen waren zwar noch nicht da, die sollten erst in drei Monaten kommen aber mich schickte man erst einmal zu einer Schulung zur IBM nach Frankfurt. Das war nicht nur meine erste Begegnung mit der IBM und deren Technologien sondern für mich war es auch der Start in eine spannende Zukunft.
Was so ein kleines Kofferradio doch alles bewirken kann!

(c) Rolf Glöckner

Montag, 8. August 2011

"Eins Vier!"

Heute war sein erster Schultag und er war doch schon ein wenig aufgeregt, der Schulranzen, schon etwas abgegriffen, weil schon länger in Gebrauch gewesen,  war mit einer Tafel versehen, der Schwamm baumelte, wie früher so üblich, fröhlich an der Außenseite herum und in dem Ranzen waren Griffelkasten und auch schon einige Bücher und Hefte verstaut und wartete darauf, dass er ihn sich anschnallen würde.
Die Mutter rief zum Anziehen. Er hasste die Kleidung, die seine Mutter für den ersten Schultag bereitgelegt hatte, die Unterwäsche, ein Leibchen, an welches lange Strümpfe angeknöpft wurden, darüber eine kurze Hose und eine Jacke, die ein Schneider aus der Nachbarschaft aus einem noch vorhandenen Stoff hergestellt hatte, ein paar hohe Schuhe und eine Mütze, die er nicht mochte, aber all sein Wehren nützte ihm nichts.
Gemeinsam mit seiner Mutter machte er sich schon bald auf den Weg in den Ort hinunter, sein Bruder und seine Cousine hatten das Haus schon verlassen, er würde sie erst in der Schule wiedersehen.



In dem alten Schulgebäude gab es zwei Räume, die den evangelischen Schülern in einem überwiegend katholischen Ort zugestanden waren, ging es schon munter zu. Raum Eins war besetzt mit den Klassen Eins bis Vier, der andere Raum wurde von den schon älteren Schülern benutzt.
Sein Mutter gab ihm einen Klaps und verabschiedete sich dann, sie hatte zu arbeiten, Kinder ohne einen Vater, der im Krieg geblieben war, aufzuziehen, erforderte ihre ganze Kraft. Vorsichtig betrat er den Klassenraum, erspähte einen freien Platz in der hinteren Reihe und setzte sich.
Die Lehrerin, damals noch "Fräulein" genannt, betrat den Raum, schaute über das Gewimmel und bat die älteren Schüler, den Raum für eine Weile zu verlassen, sie wolle sich erst einmal ein Bild von den "Neuen" machen.
Sie verlas die Namen und als er aufgerufen wurde, bat sie ihn, aufzustehen da hinten. Sie schaute ihn lange an und fragte dann: "Bist Du überhaupt schon einen Meter groß?" Da schoß es aus ihm heraus: " Eins vier". Alle lachten und er wurde nach vorn in die erste Reihe gebeten. "Damit ich Dich überhaupt sehen kann" sagte die Lehrerin in das Gelächter hinein. Seine Anspannung ließ etwas nach, die älteren Schüler wurden wieder hereingerufen und der Unterricht begann. Nach drei Stunde war der erste Schultag für ihn vorbei und er durfte nach Hause gehen. Vor der Schule warteten viele Eltern auf ihre Kinder, bepackt mit Schultüten, die wohl gut gefüllt schienen. Wo war seine Mutter, hatte sie ihn vergessen? Da kam sie aber doch auf ihrem alten, klapprigen Fahrad angefahren und sie hatte, wenn auch, eine kleine Schultüte bei sich. Er war erleichtert, alles war gut gegangen, morgen würde er wieder in die Schule gehen, mal schauen, was da auf ihn zukam.
Am Abend, sein Onkel, er war so etwas wie ein Vaterersatz, kam gerade nach Hause, hatte er diesem allerlei zu erzählen. "Die Lehrerin ist aber nicht schlau, dauernd hat sie mich etwas gefragt, ich saß ja ganz vorn, aber ich habes es ihr nicht gesagt!


(c) Rolf Glöckner




Samstag, 6. August 2011

Die böse Uhr

Er schoß aufgeschreckt hoch, da war es wieder, dieses merkwürdige Geräusch!
Es kam wohl nicht vom großen Walzwerk, welches direkt unter dem Haus im Tal lag, es war nicht das Zischen und Rumpeln eines Hochofens, dessen geschmolzenes Innere sich in die Kokillen ergoß,  es war auch nicht das Getäusch eines Flugzeuges, welches brummend mit seinen vier Motoren Richtung Berlin oder Hamburg strebte.
Immer, wenn er allein in diesem großen Haus, am Waldesrand gelegen, allein war, passierte irgend etwas. Aber noch war Alf, der Schäferhund ja im Haus, ihn würde er sich als Unterstützung holen und dann würden allen bösen Geister, die versuchten, ihn zu erschrecken, schon sehen!
Er setzte sich in seinem Bett auf, drückte sich an die kalte Wand und überlegte. Wenn er jetzt aufstehen würde, um Alf zu holen, musste er ja die feuchte und immer etwas glitschige Kellertreppe hinuntersteigen, um den Hund aus dem angebauten Stallgebäude zu holen und das allein?  Wieder ertönte dieses seltsame Geräusch.
Er raffte sich auf, zog seine Schuhe an und ging zur Kellertreppentür, öffnete diese vorsichtig und wollte hinabsteigen. Er sprang zurück! Von der feuchten Wand des steil nach unten führenden Raumes stach ihm etwas ins Auge, in welchem er eine Uhr zu erkennen glaubte. Sie funkelte ihn in grün und violetten Farben an und sein Herz begann wie wild zu schlagen. Die Angst kroch ihm den Rücken hinauf, diese Uhr war böse, sie hatte irgendetwas Schreckliches mit ihm vor, er spürte es ganz deutlich.



Er drehte sich, so schnell er konnte, um und rannte zurück in sein Zimmer. Dort verkroch er sich unter der Bettdeckte, presste sich ganz eng an die Wand und die Angst ließ ihn lange nicht los.
Am nächsten Morgen, er hatte nach diesem Erlebnis kaum geschlafen, erzählte er seinem Onkel davon. Da lachte dieser, ging mit ihm zur Kellertreppe, öffnete die Tür und zeigte ihm eine große nasse Stelle an der Wand. Irgend ein verirrter Lichtstrahl von den vielen Lampen und Strahlern des Werkes hatte wohl diese Stelle wie eine Uhr aufleuchten lassen und die nasse Stelle hatte ein Übriges dazu beigetragen. Sicher war auch das merkwürdige Geräusch vom Werk gekommen, dort wurden ja immer neue Maschinen eingesetzt, deren Geräusche man so noch nicht vernommen hatte. Ein wenig beruhigt ging der Junge wieder in sein Zimmer und grübelte. War alles das, was erlebt hatte, real, oder hatte sein Onkel mit seiner Erklärung recht? Er zweifelte ein wenig und war sich überhaupt nicht sicher.
Noch lange danach hatte er immer ein mulmiges Gefühl, wenn er die Treppe, aus welchem Grunde auch immer, hinabsteigen mußte und seine Geschwister hänselten ihn noch lange wegen dieser "Bösen Uhr"

(c) Rolf Glöckner

Freitag, 5. August 2011

Winter in Namibia, Landschaft, Sonne und Sterne

Auch ich taucht' ein ins rote Licht
in südlichen Gefilden.
Viel' Menschen, sie verstanden nicht,
warum dort bei den "Wilden?".

Es ist der Himmel klar und rein,
der Tag so hell und warm.
Die Tiere wollten bei uns sein,
so mancher große Schwarm.



Zebras




Straußendame


Winterlandschaft

Die Nacht brach an,
die Sonne ging flugs unter,
das rote Licht erfüllte mich,
die Welt schien mir ein Wunder.



Sonnenuntergang


Beobachter im Sonnenuntergang

Sternwarte im Sonnenuntergang




Und dann war's schwarz,
ein Stern erschien, dann wars ein groß Gewimmel,
ich legte mich und schaute hin
zum Sternenband am Himmel.


Sternwarte mit Sirius


Milchstraße


So lag ich da und unverwandt
richt' ich den Blick und schaute
die Seele mein erfreute sich,
bis das der Morgen graute.

Der erste Tag in diesem Land
veränderte mein Leben,
die Nacht hat mir viel Freud' gebracht,
hier möcht' ich's weiter geben.


Strichspuren am Südhimmel

Vollmond?

Omega- und Trifidnebel

Milchstraße



(c) Rolf Glöckner

Donnerstag, 4. August 2011

Auf Charlys Pfaden

Ferderleicht schweb ich dahin,
der Fluß begleitet mich,
der Falke wieder zeiget sich,
viel kommt mir in den Sinn.                                                          
                                                            Der Weg ins Indianerland
der Platz heißt "Wounded Knee",
als Opfer Tabak in der Hand,
mir zitterten die Knie.

Gesang ertönt, mich schaudert gar,
wir beugten unse're Knie
und brachten unsere Gabe dar,
den Ort vergess ich nie.

Und weiter führte unser Pfad
der Ort: Little Big Horn
Hier starben rot und weiß Soldat,
die Schlacht, sie ging verlorn.


Die Ureinwohner, Reservat,
sie können dort nicht leben.
Man sollte ihnen, oh wie hart,
die Ehre wiedergeben.














Doch auch Natur war noch dabei,
der Ort war Yellowstone
und wie gefährlich er auch sei,
Vulkanchen gibt's genug.

Ob Wasser, Schlamm, ob Schwefeldunst,
wir haben es gesehn,
ich selbst, und das ist keine Kunst
würd gerne nochmal geh'n.




Doch jetzt schon bald gehts wieder fort
auf Charlys Spuren neu.
September schon der große Start,
auf den ich mich so freu.





(c) Rolf Glöckner

Dienstag, 2. August 2011

Eine schamanische Reise

Eine schamanische Reise.

Ich hatte schon davon berichtet, es gibt ihn, Standing Eagle, einen Schamanen, der sein Wissen gern weitergibt und das in einer für mich sehr inspirierenden Art.

Nachdem ich an einem Vorbereitungskurs, der "Initiation mit der Kanu-Methode", teilgenommen hatte, wartete jetzt eine besondere Herausforderung, eine große schamanische Reise auf mich.
Wir, die Teilnehmer, trafen uns, jetzt nur vier Personen, in seinem Haus, nahmen Platz und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
Standing Eagle, den ich inzwischen mehrfach wiedergesehen hatte, auch einige Fotos bei einer Buchpräsentation für ihn aufgenommen und zur Verfügung gestellt hatte, trat ein, wie immer, indianisch gekleidet und setzte sich zu uns.
Und nun begann er, uns vorzubereiten, indem er uns bat, noch einmal in das Kanu einzusteigen und alles das zu tun, was wir von ihm erfahren hatten. Allerdings würde er dieses Mal ein Zeichen für die Beendigung dieser Übung geben, das Zählen von 10 bis 0, das sollte uns zurückbringen in die Realität und er begann zu singen. Ich selbst befand mich sofort wieder in einem Zustand, den man nur mit einem erweiterten Bewußtsein  beschreiben kann und ich sah und hörte und befand mich irgendwo bis ich die Null unbewusst wahrnahm. Ich erwachte.

Nach einer kleinen Pause sollte es beginnen!

"Stellt Euch vor, Ihr sitzt an einem Fluß und dort verbindet Ihr Euch sowohl mit der Erde und mit den Sternen. Es ist nicht schwer, wenn ihr an das Kanu denkt.  Euer Körper sollte dann auf einer Ebene ruhen, die Euch tiefer erscheint als die Schlafebene und dennoch wird Euer Geist für all das, was Ihr erleben werdet, offen sein. Es wird Euch vorkommen, als würde vieles gleichzeitig passieren", sagte uns der Schamane. Er sah mich an und sagte: "I think, it's easy for you" und er lächelte.

Und jetzt begann er zu singen und diese gleichmässigen Töne drangen in mich ein und nach einem kurzen Augenblick des Wachseins fiel ich hinab, Flammen um mich herum, aber sie brannten nicht, sie wärmten nur, sah meine Großmutter in ihrem dunkelblauen Kleid, sah die Berge meiner Heimat, sah Sonnenuntergänge  und dann sah in den blauen Himmel hinauf, weil ich das Gefühl hatte irgendetwas würde mich rufen. Dort erblickte ich einen Falken, der hoch oben ohne einen Flügelschlag seine Kreise zog.
Er kam herab, landete auf meiner Schulter, rieb seinen Kopf an meinem Ohr und sprach zu mir: "Wir sind verbunden, verbunden durch Taten, die Du, Mensch, in der Vergangenheit für uns Falken getan hast" und ich fiel wieder.
Vor mir sah ich jetzt drei noch wollige Falken, mit denen mein Onkel angetragen kam, er hatte sie aus einem Nest geholt, Jäger hatten ihre Eltern gemordet. (Sie haben bis zum Auswildern  während meiner Kindheit begleitet und noch lange kamen sie in die Nähe des elterlichen Hauses).
Die Erinnerung verblasste und wieder sah ich den Falken, fühlte ihn auf meiner Schulter. Er sah mich mit seinen bernsteinfarbigen Augen an und sprach: "Du mußt jetzt gehen, es ist Zeit, sonst wird es schwer werden, Dich zu lösen. Ich werde Dir die Kraft für die Rückkehr geben und bitte Dich, Dein erworbenes Wissen und Deine Erfahrungen mit Deinen Freunden zu teilen. Jedoch kannst Du jederzeit zu mir kommen, ich werde über Dich wachen und werde da sein, wenn Du mich brauchst".


Mit diesen Worten verschwand er und ich stieg in einen Strudel auf, der mich wie aus einem Wasser an die Oberfläche meiner Empfindungen spülte.
Später erklärte mir Standing Eagle, ich hätte mit meinem Krafttier gesprochen und er würde mein Verbindungsglied in die Dimension sein, in der ich mich fast eine Stunde befunden hatte.
Und wieder sah er mich an und sagte mit einem Lächeln auf seinem Gesicht: "You are an hawk, too, and it is good, you have had such experiences, it will form your life".
Ich bedanke mich bei ihm für diesen Weg und ich denke an diese außerordentliche Erfahrung zurück und es gelingt mir heute leicht, in diese, vielen Menschen fremde Welt, einzutauchen. Es reicht, gedankenverloren an einem Fluß zu sitzen oder aber den Klängen eines Sonnenunterganges zu lauschen.


Sonnenuntergang bei West Yellowstone
(c) Rolf Glöckner