Montag, 1. August 2011

Das "Kanu"

Ich saß gemütlich in meinem Sessel und las die Hauspostille. Plötzlich, beim Durchsehen der Veranstaltungen, stieß ich auf ein Angebot, welches mich sofort faszinierte.
Ein indianischer Schamane mit Namen  "Standing Eagle" bot einen Kurs an, den er die "Initiation mit der Kanu-Methode" nannte. Dieser Veranstaltung sollte in seinem Haus am Buschhagenweg stattfinden, also ganz in der Nähe. Immer schon hatte ich ein besonderes Faible für die indianische Kultur und das nicht nur wegen Karl May, dessen Werke ich in meiner Jugend geradezu verschlungen hatte.
Nun aber nicht lange überlegen, hier bot sich eine neue Erfahrung an, die mir vielleicht neue oder auch andere Lebenswege aufzeigen konnte. Die Anmeldung war schnell vollzogen und ich bekam eine Mail, in dem der Inhalt dieses Kurses dargelegt war und der war folgender:

"Die Initiation mit der Kanu-Methode als einfaches und leichtes Verfahren, die Sternenportale als höhere Stufen des Bewusstseins zu erfahren"

Am ersten Termin, er fand in einem großen, gemütlichen Raum des Wohnhauses von Standing Eagle statt, wurden wir, eine Gruppe von 8 Personen, auf die Dinge vorbereitet, die uns erwarteten.
Als Dolmetscherin würde seine Frau fungieren, die uns auch nett mit Tee und kleinen Kuchen bewirtete. Und dann kam er, der Schamane und setzte sich ganz zwanglos zu uns und begann zu erklären.

"Das ‚Kanu’ ist  eine Form der Energetisierung und Lenkung für diese Reise, auf man der spontan in eine Form des ‚Wachtraumes’ (lucid dream) fallen kann. Versuchen sie einfach, sich fallen zu lassen, schließen sie die Augen, hören Sie Ihren Atem, hören Sie das Klopfen Ihres Herzens und lauschen Sie dem indianischen Gesang, den Sie gleich hören werden.

Dieses "Kanu" dient aber auch der Vorbereitung auf eine "Große schamanische Reise", an der Sie in einem weiteren Kurs teilnehmen können" führte er aus.
Alle Teilnehmer machten es sich in ihren Sesseln bequem, schlossen die Augen und er begann zu singen.


Wunderschöne Töne drangen an mein Ohr und ich versank, versank in mich selbst und sah Tänzer, verschieden Tiere, die mich begleiteten, sah Landschaften, Lichter, die sich bewegten, hörte Trommeln und erreichte ein Maß an Zufriedenheit, wie ich es mir bisher nicht hatte vorstellen können.  So etwas hatte ich beim autogenen Training, an dem ich in meiner beruflichen Zeit teilgenommen hatte, nie erlebt, da war ich nur leer gewesen.


Nach dieser Übung, wie lange sie gedauert hatte konnte ich danach nicht genau sagen, es sollten nur zwanzig Minuten gewesen sein, tauchte ich wieder auf. Hatte ich geschlafen, getraumt, oder welchen Zustand hatte ich gerade erlebt?
Nachdem sich alle Teilnehmer gefunden hatten, folgte eine Besprechung der Erlebnisse, jeder Teilnehmer konnte, wenn er denn wollte, über seine Empfindungen und Erlebnisse berichten.
Als ich an der Reihe war und zu erzählen begann, was ich erlebt hatte, ich benötigte ja die Dolmetscherin nicht, sah mich Standing Eagle ganz merkwürdig an und sagte dann: You must come back again, you have been on a schamanic journey at this time, that is great"

Ich war erstaunt über das Gesagte, traf aber schon jetzt meine Entscheidung, an einer "Schamanischen Reise" teilnehmen zu wollen.
Noch lange, die anderen Teilnehmer waren schon gegangen, sprachen wir miteinander und er fragte mich auch, welches Tier ich denn als erstes gesehen hätte und ob es bei mir geblieben wäre, sagte aber nicht, warum er das wissen wollte. Viele Erklärungen folgten und die Dunkelheit war längst gekommen, als er mir auf meine Frage, ob das, was er lehrt Meditation sei, antwortete:

Ich würde es nicht ‘Meditation’ nennen.  Bei Meditationen muss man sich in der Regel auf etwas konzentrieren oder den Geist leeren, die inneren Stimmen zu Schweigen bringen – so dass Ruhe eintritt, Leere, keine Unterbrechungen. Das ist nicht das, was ich lehre.
Ich lehre Unschuld – der ganze Prozess dreht sich um Unschuld. Im Kern geht es darum, sich den Strömungen, mit denen man im Fluss des Lebens konfrontiert ist, nicht mehr zu widersetzen. Manche dieser Strömungen können sehr stark sein. Manchmal befindet man sich sozusagen mitten im schäumenden Wildwasser – und will das ganz und gar nicht. Aber Du änderst es nicht, denn Du bist auch nur Natur. Du änderst die Natur nicht! Du bist einfach nur da, das ist alles: Du gehst durch den Prozess. Dann, ganz plötzlich, ändert es sich – und zwar von alleine: Du musst nichts daran tun. Der Fluss mit all seinen Strömungen verändert sich gemäß dem Weg, den er gehen muss und wandelt damit auch den Prozess, durch den Du zu gehen hast. Deshalb passt der Begriff der ‚Meditation’ nicht.

Gedankenverloren und doch beschwingt, mit einem imaginären Falken auf meiner Schulter, fuhr ich heim, den Termin für die "Große schamanische Reise" hatte ich schon abgemacht.



(c) Rolf Glöckner


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