Freitag, 16. Dezember 2011

Spätvorstellung

Das war nicht erlaubt! Spätvorstellung! Und die begann erst um 22:30 Uhr! Am nächsten Tag in die Schule?  Nein! So hörte er es oftmals von seiner Mutter!  Aber die interessanten, manchmal auch schon etwas gruseligen Filme kamen doch immer erst so spät! Was also war zu tun?
Er sprach erst einmal mit seinen Freunden, von denen einige das sechzehnte Lebnesjahr schon vollendet hatten und schon mal so spät das Kino des Dorfes besuchen durften. Es wurde in einem fast konspirativen Treffen abgemacht, wie man es fertigbringen wollte, sich nach dem zu Bett geschickt werden, wieder zu treffen, ohne dabei Aufsehen zu erregen.
Der Film, der die Freunde interessierte, hieß: "Schrei, wenn der Tingler kommt" was immer auch man sich darunter vorzustellen vermochte. Man einigte sich auf ein Treffen um 22:15 Uhr am Hintereingang des Kinos. Den Vordereingang zu benutzen, erschien ihnen doch zu gefährlich, man könnte ja von regulären Besuchern erkannt werden und wenn das die Eltern erfahren würden! Es war aber noch erforderlich, den Platzanweiser, es gab nur einen in der Spätvorstellung, einzuweihen, er sollte die Gruppe durch den Hintereingang nach einem verabredeten Zeichen hereinlassen. Alles war vorbereitet, man ging seinen täglichen Verrichtungen, wie Hausaufgaben für die Schule oder Hilfsdiensten zu Hause, nach und die Aufregung stieg. Würde alles klappen?  Endlich zu Bett und das Warten begann. Gegen 21:00 Uhr, es war schon dunkel, stand er vorsichtig auf, zog sich geräuschlos an, horchte noch einmal an der Tür zum Nebenzimmer, dort schnarchte sein etwas älterer Bruder und der durfte davon überhaupt nichts erfahren, er würde es sofort der Mutter brühwarm erzählen. So, nun das Fenster geöffnet und aufs Dach gestiegen waren eins. Nun das Fenster noch vorsichtig anlehnen, auf Zehenspitzen übers Dach, über die breite Mauer und schon war er im Gebüsch des angrenzenden Waldes verschwunden. Nur noch querfeldein bis zur Hauptsraße des Ortes und er erreichte das Kino noch vor der Zeit. Seine Freunde, ähnlich aufgeregt wie er, waren ebenfalls schon angekommen. Der Älteste bekamm nun alles Geld, denn er mußte die Eintrittskarten holen und es klappte alles wie am Schnürchen. Am Hintereingang angekommen, bemerkten sie, dass die Tür nur angelehnt war und leise schlichen sie sich durch die schwere Samtportiere in den Kinosaal, welcher nur mäßig besetzt war. Der Platzanweiser wartete schon, zeigte auf die Reihe drei und murmelte ihnen zu: "Hier werdet ihr sitzen, aber verhaltet euch unauffällig, ich bekomme sonst Schweirigkeiten!" Bald wurde es dunkel im Kino und der Film, ein in der damaligen Zeit als Horrorfilm titulierter Streifen begann und das war sein Inhalt:

Der Pathologe Dr. Warren Chapin entdeckt, dass im Rückgrat eines jeden Menschen eine Kreatur lebt, die sich von der Angst ihres Wirtes ernährt. Fängt dieser im Zustand der Angst nicht an zu schreien, wächst die Kreatur, der so genannte „Tingler“, zu voller Lebensgröße heran, was zum Tod des Menschen führt. Bei der Autopsie einer zu Tode erschreckten Taubstummen befreit Dr. Chapin schließlich einen ausgewachsenen Tingler aus dem Körper der Frau. Der Tingler entkommt und versetzt mitunter das Publikum eines Stummfilmkinos in Angst und Schrecken.

Nachdem der Film zu Ende war, es hatte sie doch etwas und nicht nur etwas, gegruselt, machte er sich auf den Heimweg und auf diesem Weg hatte er den Eindruck, er würde von allerlei bösartigen Wesen verfolgt und so rannte er, so schnell ihn seine Füße trugen, durch den Wald, auf die Mauer, über das Dach, öffnete das angelehnte Fenster und hatte seinen Schlafplatz endlich erreicht. Aber an Schlafen war nicht zu denken, so sehr verfolgten ihn noch immer die bewegten Bilder des Films. Würde er soetwas noch einmal machen? Er wußte es nicht.


(c) Rolf Glöckner

Samstag, 3. Dezember 2011

Moped, Moped!

Er hatte sich durch vier Wochen Arbeit auf einer Baustelle, den Job hatte ihm sein Onkel verschafft, gequält und heute sollte der Tag der Abrechnung sein. Wohl hatte er jede Woche Donnerstag einen Abschlag auf seine Arbeit erhalten, aber heute, heute wurde alles an ihn ausbezahlt, was er sich verdient hatte und das sollte für seine Verhältnisse sehr viel sein. In einer Gruppe, die die Zimmereiarbeiten an einem Kabelkanal durchführten, hatte er fleißig mitgeholfen und die fünf Männer hatten im Akkord gearbeitet. Dafür bekamen sie große Zuschläge und sein Onkel hatte dafür gesorgt, er hatte ja schließlich in der Gruppe mitgearbeitet, dass er daran auch teilhaben sollte und da hatten sie ihm einfach jeden Tag so zwei bis drei Stunden mehr aufgeschrieben und nun fieberte er dem Nachmittag entgegen, wenn die Lohntüten ausgeteilt wurden. Endlich erschien der Lohnbuchhalter mit seiner Aktentasche und das große Auszahlen begann. Endlich hielt er seine Lohntüte in Händen, er schaute auf den Betrag und ihm stockte der Atem. Siebenhundertdreiundzwanzig Mark! Das würde für das, was jetzt kam, ausreichen, er würde heute sein erstes Moped abholen, den Führerschein hatte er schon vorher erworben, ein Versicherungskennzeichen stak in seinem Rucksack und nun konnte es losgehen.
So schnell er konnte, das kleine Fahrrad- und Mopedgeschäft war nicht weit entfernt, rannte er mehr als das er ging, seinen langersehnten fahrbaren Untersatz zu holen. Es war zwar nicht das, was Freunde von ihm schon besaßen, aber es war sein erstes Moped und er hatte es sich selbst verdient. Vor dem Geschäft, die Lohntüte fest umklammert, wartete schon sein Freund  und der hatte mitgebracht, was er versprochen hatte, eine Sitzbank und die dazugehörigen Fußrasten. Schnell hinein in die Werkstatt und dort stand das gute Stück, ein Moped namens Dürkopp Fratz.


Schnell den Sattel abgeschraubt, die Fußrasten angebracht, das Nummerschild montiert und sein erstes Moped, den Tank hatte ihm der Laden- und Werkstattinhaber als Geschenk gefüllt, war sein. Nun noch bezahlen und dabei blieben sogar noch zweihundert Mark übrig.
Und nun aber los! Der kleine Sachs-Motor knatterte laut auf, der Freund stieg auf und los ging die Fahrt. Sie fuhren gemeinsam die Dorfstraße hinauf und hinunter und dann passierte es. Der Käfer des Dorfpolizisten überholte sie und eine Kelle winkte zum Anhalten. Der Polizist stieg aus, kam auf die Jungen zu und fragte erst einbmal nach dem Führerschein und den Fahrzeugpapieren und dem Versicherungsschein. Alles schien in Ordnung aber dann stutzte er und sagte: "Dieses Fahrzeug ist für zwei Personen nicht zugelassen, das kostet eine Verwarngeld von zehn Mark und dann werden die Fußrasten sofort wieder abgebaut!"
Der Junge zog seine Geldbörse aus der Tasche, öffnete sie und erschrak. Er hatte nur noch Schein in der Höhe von fünfzig Mark. Davon gab er einen Schein dem Polizisten und der sagte ärgerlich, er konnte nicht wechseln: "Hätte ich gewußt, dass Du soviel Geld hast, dann hätte ich Dir eine richtige Strafe aufgebrummt!"  Das Geld wurde in einem naheliegenden Gesachäft gewechselt, das Verwarngeld entrichtet und dann warteten die Jungen, bis der Polizist verschwunden war und weiter ging die Fahrt.
Im Laufe der Zeit wurde noch einiges am Moped verändert, so dass es die Geschwindigkeit, für welches es eigentlich zugelassen war, bei weitem überschritt.
Und das wäre sein Traumfahrzeug gewesen:  eine Kreidler Florett, aber dafür hatte das Geld dann doch nicht gereicht.





(c) Rolf Glöckner

Freitag, 2. Dezember 2011

Der Schwarze

Er kam von der Schule nach Hause und betrat das Haus durch den Eingang zur Sommerküche. Aus der angrenzenden Waschküche vernahm er ein leises Fiepen und er ging, neugierig, was das wohl sein könnte, dem Geräusch nach. In der Waschküche traf er auf seinen Onkel, der gerade dabei war, einen kleinen, schwarzen Welpen zu füttern. Was ist denn das für einer, entfuhr es ihm und er bekam zur Antwort: "Das ist ein Schäferhund, noch ganz jung, ich habe ihn erst heute mitgebracht." "Aber der ist doch schwarz, gibt es denn soetwas?" wollte er wissen. "Ja," antwortete sein Onkel, das gibt es und ich werde ihn aufziehen, seine Mutter ist bei der Geburt leider gestorben und nun ist er bei uns.


Ich würde mich freuen, wenn Du Dich, wenn es Deine Zeit mit der Schule und dem Sport erlauben, etwas um ihn kümmern würdest. Alles, was Du dazu wissen solltest, werde ich die noch erzählen." Der wunderschöne, tiefschwarze Welpe fiepte leise, kroch auf ihn zu und versuchte, ihm seine Hand zu lecken, die er ihm entgegenhielt. Dann versuchte er, an einem Finger zu saugen. Sein Onkel gab ihm die Flasche mit Milch und sagte: "Nun füttere Du ihn, damit er sich an Dich gewöhnt."
Er fütterte ihn und gierig trank das kleine Tier die Flasche leer. Wimmernd verlangte er nach mehr. Fragend sah er seinen Onkel an: "Darf er noch etwas haben?" "Nein, erst heute abend bekommt er wieder etwas, wenn ich zurückkomme, werde ich es zubereiten und du kannst ihn dann, wenn Du magst, füttern." Und so vergingen die Tage und der Welpe wuchs zu einem kräftigen Schaferhund heran. Die beiden hatten viel Spaß nmiteinander und der Hund, sein Onkel mußte ja arbeiten, begleitete ihn auf vielen seiner Wege. Der Hund erhielt seine Ausbildung zum Schutzhund und würde als Fährtenhund bei der Dorfpolizei eingetragen.
So vergingen Jahre, und auch er wuchs heran und dann passierte das Unfassbare. Er kam von einem Schulausflug zurück und der Hund, was er sonst immer tat, begrüßte ihn nicht. Auf dem Hof des Hauses stand ein Auto und keiner der Erwachsenen war zu sehen. Unruhig werdend ging er ins Haus. Aus dem großen Wohnzimmer vernahm er ein Stimmengemurmel. Er trat ein und sah den Hund, es hatte den Anschein, als sei er sehr schwach, in seinem Korb liegen. Er atmete schnell und seine Brust hob und senkte sich hektisch. Dann vernahm er die Worte des ihm unbekannten Mannes: "Ja, jetzt kann ich nichts mehr für ihn tun, er hat die Staupe. Ich habe alles versucht!"
Er stürzte auf den Hund zu, kniete vor ihn nieder und streichelte seinen Kopf. Der Hund schaute noch einmal hoch, leckte ein letztes Mal seine Hand und dann brachen seine Augen. Dem Jungen schossen die Tränen in die Augen und auch sein Onkel, der den Hund ebenfalls über alle Maßen geliebt hatte, konnte sich der Tränen nicht erwehren.
Nie in seinem Leben würde er dieses Bild aus seiner Erinnerung verdrängen können, so sehr waren er und der Hund sich zugetan gewesen.
Aber das Leben mußte weitergehen, wenn auch jetzt ohne seinen geliebten schwarzen Schäferhund.

(c) Rolf Glöckner

Sonntag, 27. November 2011

Schlachtfest

Schon seit geraumer Zeit verspürte er bei den Erwachsenen eine gewisse Hektik. Was war denn da nur wieder los? Da kam ein Mann, den er nicht kannte, mit seiner achtundneunziger Horex auf den Hof geknattert, verschwand mit den Eltern im Stall, ging dann mit ihnen in die Waschküche, schaute sich um und sprach dann irgendetwas vom 10. Januar. Das war sein Geburtstag, hatte diese Geheimnistuerei etwas damit zu tun?
Einige Tage später, Silvester war gerade vorbei und der Alltag hatte alle wieder eingeholt, bekam er einen Auftrag und der lautete, aus Osnabrück von einer Firma, die sich darauf spezialisier hatte, bestimmte Gewürze, Papierdärme und auch Schweinedärme zu holen. Ih!, Schweinedärme! Bei diesem Auftrag ging ihm allerdings ein Licht auf. Das jahrliche Schlachtfest stand bevor und das ausgerechnet an seinem Geburtstag. Mürrisch machte er sich nach der Schule auf, mit dem Bus in die Stadt zu fahren, um alles, wie aufgetragen, zu besorgen. Und es klappte vorzüglich und so war er schon frühzeitig wieder daheim.
Noch zwei Tage bis zum Schlachtfest und schon allerlei Vorbereitungen wurden getroffen. Der große Waschkessel in der Waschküche bekam den Einsatz, der sonst nur für die Wäsche verwendet wurde, das große Wasser becken, das einmal wöchentlich dem Badevergnügen diente, wurde geschrubbt, die Winde, mit der das Schwein dann hochgezogen werden sollte, wurde geprüft und allerlei Gerätschaften wurden bereitgestellt.
Und das Schwein, welches hinten noch fröhlich im Stall herumgrunzte? Es wußte von alledem nichts!
Der Tag war gekommen und schon am frühen Morgen knatterte das alte Motorrad heraan und der Man mit seiner großen Tasche ging zielstrebig in die Waschküche. Leider oder vielleicht auch besser, konnte er beim Schlachten des Schweins nicht dabeisein, er mußte erst einmal zur Schule, aber es war Samstag und er hatte nur drei Stunden Unterricht. Quälend langsam vergingen die drei Stunden aber dann machte er sich eilig auf den Heimweg.
Dort angekommen, entledigte er sich seines Tornisters und stürmte hinab zur Waschküche und da hing das Tier an dem Bügel des Drahtseiles der Winde. Es war aufgeklappt und man konnte hineinsehen, allerdings waren ja die Innereien schon lange entfernt worden und irgendwer hatte schon davon gefressen, die Hunde lagen jedenfalls ziemlich schläfrig herum.
Das Wasser in dem großen Kessel war inzwischen erhitzt worden, am Tisch war ein Fleischwolf befestigt und auch die Därme, die er geholt hatte, lagen dort. Er wußte, was jetzt kommen würde, er hatte es schon im letzten Jahr tun müssen. Ein Eimer Blut stand dort und das mußte nun gerührt werden, etwas Mehl hinzu, wieder rühren, solange, bis es verarbeitet werden sollte. Danach durfte er Wurst machen, das mochte er, also das zugeschnittene Fleisch in den Fleischwolf, die Därme auf das an der anderen Seite angebrachte Rohr aufziehen und dann gleichmäßig drehen. Die Därme füllten sich mit dem Brät, wurden abgebunden, in Teile zerschnitten und landeten dann im erhitzen Wasser des großen Kessels. Abbrühen nannte man das. Inzwischen waren in der Sommerküche neben an die ersten großen Bratentöpfe heiß genug, um Stücke von Fleisch aufzunehmen. Diese Bratenteile sollten dann morgen eingekocht und im Keller gelagert werden. Inzwischen waren auch die ersten Speckseiten und die Schinken dem Tier entnommen worden und dann kam er, der Fleischbeschauer, schrieb etwas in sein Buch, stempelte hier und stempelte dort, nahm ein Probe, die ausreichte, einer fünfköpfigen Familie einen Sonntagsbraten zu bescheren und er verschwand wieder. Und so ging es weiter und weiter, morgen würde auch noch genug zu tun sein.
Was aber wäre ein Schlachtfest ohne ein gutes Essen danach? Es war Sitte im Dorf und so kamen auch die Nachbarn, um am Schlachtfest teilzuhaben. Es gab Braten und gebratenes Mett und was der guten Dinge noch mehr auf dem Tische landete. Dazu wurde kräftiges Bier getrunken und das Schlemmen wollte kein Ende nehmen. Morgen sollte es dann weitergehen aber schon in der Nacht verspürte er ein schreckliches Grummeln und Kneifen in der Magengegend. Na, wie jedes Jahr!
Von all dem Guten Essen blieb auch in diesem Jahr der verdorbene Magen zurück, aber es war ein schöner Geburtstag und auch ein schönes Schlachtfest gewesen. In einer Woche würde es in der Nachbarschaft ein weiteres Schlachtfest geben.






Blick auf den Heimatort





(c) Rolf Glöckner

Freitag, 18. November 2011

Kasper, Kasper!

Wieder einmal war Schützenfest und die Kinder, versehen mit einigen Bons, trabten am Zugende, eine Becher in der Hand, schon etwas müde voran. Nur, was sie auf dem Schützenplatz erwartete, trieb sie an, diese Anstrengung hinter sich zu bringen.

 Bald erreichte der Zug, angeführt von einer Musikkapelle, dahinter das Königshaus in einer Kutsche, begleitet von berittenen Adjudanten und den vielen Schützen aus den Vereinen der Umgebung, den festlich geschmückten Schützenplatz.


Die Kinder wollten sofort das große Festzelt stürmen, wurden aber zurückgehalten, denn erst einmal wurde angetreten und der Vorsitzende würde eine Rede halten, oh, wie langweilig! Es wurde langweilig, es war wieder einmal die aufs Neue stotternde Rede des Vorsitzenden, die endete mit den Worten: "und wollen hoffen, das wir noch viel Nachkommen haben werden." Die Kinder sahen sich fragend an. Was sollten diese Worte denn bedeuten, oder wr das nur wieder so dahingestottert?


Jetzt, nachdem alles ausgestanden war, stürmten die Kinder ins Zelt, denn dort gab es erst einmal Kakao, soviel man wollte und riesige Berge  Butterkuchen waren auf den Tischen aufgetürmt. Nach dieser intensiven Stärkung ging man in Grüppchen, in denen sich die Freunde schnell zusammenfanden, auf Erkundungstour. Soviel wußte man: Ein Autoscooter war da, ein kleines Riesenrad (welch ein Widerrspruch in sich), Stände mit Süßigkeiten, Bratwurst und Fischbrötchen hatten ebenfalls ihren Platz gefunden.
Aber dort in der Ecke, ganz am Rand, dort stand ja noch eine kleine Bude, die wie ein kleines Theater aussah. Daneben hockte ein älterer Mann, der traurig vor sich hinblickte.
Er löste sich aus der Gruppe, ging zu dem Mann und fragte: "Warum so traurig?" Der antwortete: "Ich wurde eingeladen, meine Kasperbude für die Kinder hier aufzubauen und ihnen einige Stücke vorzuspielen und nun kommt niemand!" Er stutzte und sah zu seinen Freunden hinüber. "Das könnte man sofort ändern" sagte er und rannte zu seinen Freunden. "Los, trommelt alle zusammen, er will uns ein Stück aus seinem Kasperletheater vorführen und nur für uns ganz allein! Holt alle zusammen."  Und schon nach kurzer Zeit hockte eine große Kinderschar vor dem Kasperletheather und als der Vorhang aufging und der Kasper erschien, jubelten alle laut auf. Eine wunderschöne Vorstellung mit dem Kasper, dem Seppel, dem Polizisten, einem Krokodil, welches aussah wie ein Brett mit einem darübergezogenen Socken, einem roten Maul mit aufgemalten Zähnen, sie alle waren die Schauspieler des Stücks und als am Ende sogar noch der Teufel erschien und vom Kasper umgeworfen wurde, direkt in das aufgesperrte Maul des Krokodils, da kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Die Rufe "Kasper, Kasper" wollten nicht verhallen und gern gaben sie einen Zehner in die Sammelbüchse des nun sehr glücklichen Mannes.
Nach diesem auch spannenden Stück blieb noch genügend Zeit für eine Fahrt mit dem Autoscooter und auch eine Bratwurst mußte daran glauben. Nach der Ausgabe des letzten Bons für ein Getränk wurde es dämmrig und so gingen sie gemeinsam nach Hause.
Welch ein schöner Nachmittag war es doch gewesen und so freuten sie sich schon auf das nächste Jahr, hoffentlich würde der Kasper für sie wieder erscheinen.

(c) Rolf Glöckner

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Der erste Kuß

Es war Kirmes und er lungerte an der Raupenbahn herum. Noch war hier nicht viel los, erst wenn es dunkel sein würde, dann.....
Er hätte so gern, wie seine Freunde inzwischen auch, eine liebe Freundin gehabt, aber verstehe einer die Mädchen! Er war doch eigentlich nicht häßlich, vielleicht nur etwas klein, dafür aber sportlich und mit einem sprühenden Geist ausgestattet, der oftmals übersprudelte von Dingen, die seine Freunde oftmals nur schwer verstanden. Egal, seine Freunde und er  verstanden sich gut, heckten viele Dinge zusammen aus und waren eigentlich unzertrennlich, wenn es darum ging irgendetwas anzustellen. Während die Freunde schon mit den ebenfalls lässig an der Karussellumrandung lehnenden Mädchen angebandelt hatten und  nur auf die Dunkelheit warteten, damit zum "Nahkampf" übergegangen werden konnte, stand er noch immer allein.
Die Raupenbahn drehte sich im Kreis, die Rockmusik dröhnte über den Kirmesplatz, das Verdeck der Bahn schloß und öffnete sich und manchmal fuhr dann das Paar im Wagen ganz plötzlich auseinander, es hatte wohl zu lange gewartet und jetzt wurde im Dorf über sie geredet werden!
In diesem Alter mit einem Mädchen Raupe zu fahren und unter geschlossenem Verdeck vielleicht schon "herumzuknutschen", nein, das sahen die Eltern überhaupt nicht gern und auch in der katholischen Kirche wurde Sonntags schon mal von der Kanzel herab über das "unzüchtige Treiben" der Jugend gewettert.
Nun stand er da, die Taschen gut gefüllt mit Freikarten, die er sich durch Hilfsarbeiten beim Aufbau von Karussels und Buden redlich erarbeitet hatte und es tat sich immer noch nichts.
Doch plötzlich hörte er hinter sich eine süße Stimme fragen: "Bist Du nicht da oben an dem Berg zu Hause? Ich glaube, ich hab Dich dort schon mal gesehen, als ich mit meinen Eltern spazierenging. Du hattest einen Schäferhund bei Dir, kann das sein?" Er fuhr herum und da stand sie, etwas kleiner als er selbst, lange blonde Haare, eine Brille auf der kecken Stupsnase und ein bezauberndes Lächeln im Gesicht. Ihm stockte der Atem.
"Ja, der bin ich" stotterte er,  "und ich heiße Rolf". Sie lächelte ihn an und sagte dann: Ich habe einen merkwürdigen Namen, wahrscheinlich kannst Du dazu nichts sagen, ich heiße nämlich Aleta"
"Doch, ich kann", fuhr es aus ihm heraus, das war doch die Freundin und Frau von Prinz Eisenherz!" Sie sah ihn erstaunt an, wobei sie ihre Hand auf seinen Arm legte: "Das hat ja noch keiner gewußt, nur ich und natürlich meine Eltern.
Komm, laß ein wenig herumlaufen, schon bald wird es dunkel und ich muß schon um neun Uhr zuhause sein, ich wohne hinter eurem Berg im Feld auf dem großen Bauernhof" Als sie das gesagt hatte, sah sie ihn so lieb an, dass sein kleines Herz wie wild zu klopfen begann und er mochte sie mit einem Mal sehr gern leiden.
So wanderten sie über den Kirmesplatz, schauten dem Treiben zu, tranken gemeinsam eine Cola und landeten wieder an der Raupenbahn. "Komm, laß uns fahren, ich muß schon bald heim und vielleicht begleitest Du mich dann ja ein Stück." Das waren ja wunderbare Aussichten für diesen Tag.



Sie bestiegen die Bahn und los ging die Fahrt. Durch den Schwung wurden sie aneinandergedrückt und er legte ganz vorsichtig seinen Arm um sie. Sie kuschelte sich an und wandte ihm ihr süßes Gesicht zu. Sein Atem ging schneller und dann schloß sich das Verdeck. Ganz plötzlich lagen ihren Lippen aufeinander, der erste Kuß, er war wie berauscht. Sie drückte sich zärtlich an ihn und küßte ihn wieder und wieder und er erwiederte ihre Küsse. Dass sie beide noch reichlich unerfahren in diesem Metier waren, störte sie überhaupt nicht, sie genossen ganz einfach diesen zauberhaften und für sie so neuen Moment.


Nach mehreren Fahrten mit der Raupe nutzten sie die noch verbliebene Zeit, Autoscooter zu fahren. Später dann, als sie sich Hand in Hand auf den Heimweg machten, um ihren Hals hing ein großes Lebkuchenherz, welches er ihr geschenkt hatte und der  Mond am Himmel auf das junge Glück herabschaute, redeten sie viel, blieben stehen und küßten sich immer wieder.


Der erste Kuß aber würde für ihn unvergessen bleiben.

Aber wie oftmals im Leben endet solche eine Geschichte nicht mit einem Happy End.
Als sie sich an diesem Abend trennten, versprachen sie einander, sich schon am nächsten Tag wiedertreffen zu wollen. Nach der Schule sollte er zu ihr kommen, was er dann auch sehr aufgeregt tat. Aber sie war nicht da! An der Pforte zum Haus stand eine Frau, wohl die Mutter von Aleta. Sie sah in an und sagte: "Du wirst meine Tochter nicht mehr sehen, sie ist erst vierzehn! Und nun verschwinde und laß Dich hier nie wieder sehen!"
Was blieb ihm da anderes übrig, als zu gehen und nur noch in Gedanken bei Aleta zu sein. Viel später trafen sie sich einmal zufällig, aber solch ein Zauber wie an diesem Kirmesabend, an dem sie sich das erste Mal trafen, stellte sich nicht mehr ein. So spielt das Leben!

(c) Rolf Glöckner

Dienstag, 18. Oktober 2011

Farbspiele im Yellowstone Park

Es war fast wie ein Wunder! Die unterschiedlichen Farben in einem der vulkanisch hochaktiven Gebiete der Erde sehen zu können, hat tief beeindruckt. Allerdings hat dieses Gebiet auch seine Tücken. Bevor sie hinabtauchen in die Farbenpracht von Yellowstone, muß ich auf die Gefahren hinweisen, welche dieses Gebiet in sich birgt.

Der Yellowstone-Nationalpark liegt zu weiten Teilen in der vor rund 640.000 Jahren entstandenen Caldera des Yellowstone-Vulkans, über der Magmakammer, die in über acht Kilometern Tiefe liegt. Er ist berühmt für seine vulkanogene Landschaft mit Geysiren, Schlammtöpfen und heißen Quellen. 62 Prozent sämtlicher weltweit existierenden heißen Quellen liegen im Yellowstone-Gebiet, dies sind etwa 10.000. Von den über 300 Geysiren im Nationalpark erfreut sich besonders der Geysir Old Faithful im oberen Geysir-Becken bei Touristen großer Beliebtheit, spuckt er nämlich in ungewohnter Regelmäßigkeit sein Wasser in Abständen von momentan zwischen etwa 60 bis 90 Minuten. Mit dem Steamboat-Geysir beheimatet der Park auch den größten aktiven Geysir der Welt. Er befindet sich im Norris-Geysir-Becken.
Ursache für die vulkanogenen Aktivitäten ist die Magmakammer des Vulkans, die das von Bergen herabfließende und im porösen Lavagestein versickernde Wasser erwärmt. In heißen Quellen, Geysiren oder blubbernden Schlammlöchern tritt das versickerte Wasser wieder an die Erdoberfläche.
Etwa alle 650.000 Jahre bricht der Supervulkan Yellowstone aus und verwüstet nicht nur durch die Explosion, sondern auch durch die ausgeworfene Asche dabei halb Nordamerika. In der Nachfolge die letzten drei Ausbrüche, hier einmal zusammengefasst mit der Menge der ausgeworfenen Asche

Es war fast wie ein Wunder! Die unterschiedlichen Farben in einem der vulkanisch hochaktiven Gebiete der Erde sehen zu können, hat tief beeindruckt. Allerdings hat dieses Gebiet auch seine Tücken. Bevor sie hinabtauchen in die Farbenpracht von Yellowstone, muß ich auf die Gefahren hinweisen, welche dieses Gebiet in sich birgt.

Zusammenfassung der drei Asche-auswürfe von Yellowstone  und der daraus resultierenden Calderen
Namen der Eruptionen / Auswürfe
Vor (Millionen Jahren)
Ausgeworfene Menge (km3)
Fläche bedeckt
(km2)
Caldera- Ausmaße
(km)
Caldera Name
Lava Creek Tuff
- 0.640
1,000
7,500
85 x 45
Yellowstone Caldera
Mesa Falls Tuff
 -1.3
280
2,700
16 km im Durch-
messer
Henry's Fork Caldera
Huckleberry Ridge Tuff
 -2.1
2,450
15,500
75-95 x 40-601
Big Bend Ridge, Snake River, und Red Mountains Caldera Segmente

Der nächste Ausbruch, eine gewisse Regelmäßigkeit vorausgesetzt, steht bevor, ob Morgen oder in 5.000 Jahren, wer weiß!

Doch jetzt einfach Impressionen aus dem Yellowstone mit seinen Geysiren, blubbernden Schlammlöchern, brodelndem Wasser in den wunderschönsten Farben





























































Die Bilder mit den unterschiedlichsten Farben sollte man einfach auf sich wirken lassen! Ich wünsche viel Vergnügen und mir wünsche ich, dort noch einmal längere Zeit sein zu können.

(c) Rolf Glöckner