Samstag, 3. Dezember 2011

Moped, Moped!

Er hatte sich durch vier Wochen Arbeit auf einer Baustelle, den Job hatte ihm sein Onkel verschafft, gequält und heute sollte der Tag der Abrechnung sein. Wohl hatte er jede Woche Donnerstag einen Abschlag auf seine Arbeit erhalten, aber heute, heute wurde alles an ihn ausbezahlt, was er sich verdient hatte und das sollte für seine Verhältnisse sehr viel sein. In einer Gruppe, die die Zimmereiarbeiten an einem Kabelkanal durchführten, hatte er fleißig mitgeholfen und die fünf Männer hatten im Akkord gearbeitet. Dafür bekamen sie große Zuschläge und sein Onkel hatte dafür gesorgt, er hatte ja schließlich in der Gruppe mitgearbeitet, dass er daran auch teilhaben sollte und da hatten sie ihm einfach jeden Tag so zwei bis drei Stunden mehr aufgeschrieben und nun fieberte er dem Nachmittag entgegen, wenn die Lohntüten ausgeteilt wurden. Endlich erschien der Lohnbuchhalter mit seiner Aktentasche und das große Auszahlen begann. Endlich hielt er seine Lohntüte in Händen, er schaute auf den Betrag und ihm stockte der Atem. Siebenhundertdreiundzwanzig Mark! Das würde für das, was jetzt kam, ausreichen, er würde heute sein erstes Moped abholen, den Führerschein hatte er schon vorher erworben, ein Versicherungskennzeichen stak in seinem Rucksack und nun konnte es losgehen.
So schnell er konnte, das kleine Fahrrad- und Mopedgeschäft war nicht weit entfernt, rannte er mehr als das er ging, seinen langersehnten fahrbaren Untersatz zu holen. Es war zwar nicht das, was Freunde von ihm schon besaßen, aber es war sein erstes Moped und er hatte es sich selbst verdient. Vor dem Geschäft, die Lohntüte fest umklammert, wartete schon sein Freund  und der hatte mitgebracht, was er versprochen hatte, eine Sitzbank und die dazugehörigen Fußrasten. Schnell hinein in die Werkstatt und dort stand das gute Stück, ein Moped namens Dürkopp Fratz.


Schnell den Sattel abgeschraubt, die Fußrasten angebracht, das Nummerschild montiert und sein erstes Moped, den Tank hatte ihm der Laden- und Werkstattinhaber als Geschenk gefüllt, war sein. Nun noch bezahlen und dabei blieben sogar noch zweihundert Mark übrig.
Und nun aber los! Der kleine Sachs-Motor knatterte laut auf, der Freund stieg auf und los ging die Fahrt. Sie fuhren gemeinsam die Dorfstraße hinauf und hinunter und dann passierte es. Der Käfer des Dorfpolizisten überholte sie und eine Kelle winkte zum Anhalten. Der Polizist stieg aus, kam auf die Jungen zu und fragte erst einbmal nach dem Führerschein und den Fahrzeugpapieren und dem Versicherungsschein. Alles schien in Ordnung aber dann stutzte er und sagte: "Dieses Fahrzeug ist für zwei Personen nicht zugelassen, das kostet eine Verwarngeld von zehn Mark und dann werden die Fußrasten sofort wieder abgebaut!"
Der Junge zog seine Geldbörse aus der Tasche, öffnete sie und erschrak. Er hatte nur noch Schein in der Höhe von fünfzig Mark. Davon gab er einen Schein dem Polizisten und der sagte ärgerlich, er konnte nicht wechseln: "Hätte ich gewußt, dass Du soviel Geld hast, dann hätte ich Dir eine richtige Strafe aufgebrummt!"  Das Geld wurde in einem naheliegenden Gesachäft gewechselt, das Verwarngeld entrichtet und dann warteten die Jungen, bis der Polizist verschwunden war und weiter ging die Fahrt.
Im Laufe der Zeit wurde noch einiges am Moped verändert, so dass es die Geschwindigkeit, für welches es eigentlich zugelassen war, bei weitem überschritt.
Und das wäre sein Traumfahrzeug gewesen:  eine Kreidler Florett, aber dafür hatte das Geld dann doch nicht gereicht.





(c) Rolf Glöckner

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