Freitag, 18. November 2011

Kasper, Kasper!

Wieder einmal war Schützenfest und die Kinder, versehen mit einigen Bons, trabten am Zugende, eine Becher in der Hand, schon etwas müde voran. Nur, was sie auf dem Schützenplatz erwartete, trieb sie an, diese Anstrengung hinter sich zu bringen.

 Bald erreichte der Zug, angeführt von einer Musikkapelle, dahinter das Königshaus in einer Kutsche, begleitet von berittenen Adjudanten und den vielen Schützen aus den Vereinen der Umgebung, den festlich geschmückten Schützenplatz.


Die Kinder wollten sofort das große Festzelt stürmen, wurden aber zurückgehalten, denn erst einmal wurde angetreten und der Vorsitzende würde eine Rede halten, oh, wie langweilig! Es wurde langweilig, es war wieder einmal die aufs Neue stotternde Rede des Vorsitzenden, die endete mit den Worten: "und wollen hoffen, das wir noch viel Nachkommen haben werden." Die Kinder sahen sich fragend an. Was sollten diese Worte denn bedeuten, oder wr das nur wieder so dahingestottert?


Jetzt, nachdem alles ausgestanden war, stürmten die Kinder ins Zelt, denn dort gab es erst einmal Kakao, soviel man wollte und riesige Berge  Butterkuchen waren auf den Tischen aufgetürmt. Nach dieser intensiven Stärkung ging man in Grüppchen, in denen sich die Freunde schnell zusammenfanden, auf Erkundungstour. Soviel wußte man: Ein Autoscooter war da, ein kleines Riesenrad (welch ein Widerrspruch in sich), Stände mit Süßigkeiten, Bratwurst und Fischbrötchen hatten ebenfalls ihren Platz gefunden.
Aber dort in der Ecke, ganz am Rand, dort stand ja noch eine kleine Bude, die wie ein kleines Theater aussah. Daneben hockte ein älterer Mann, der traurig vor sich hinblickte.
Er löste sich aus der Gruppe, ging zu dem Mann und fragte: "Warum so traurig?" Der antwortete: "Ich wurde eingeladen, meine Kasperbude für die Kinder hier aufzubauen und ihnen einige Stücke vorzuspielen und nun kommt niemand!" Er stutzte und sah zu seinen Freunden hinüber. "Das könnte man sofort ändern" sagte er und rannte zu seinen Freunden. "Los, trommelt alle zusammen, er will uns ein Stück aus seinem Kasperletheater vorführen und nur für uns ganz allein! Holt alle zusammen."  Und schon nach kurzer Zeit hockte eine große Kinderschar vor dem Kasperletheather und als der Vorhang aufging und der Kasper erschien, jubelten alle laut auf. Eine wunderschöne Vorstellung mit dem Kasper, dem Seppel, dem Polizisten, einem Krokodil, welches aussah wie ein Brett mit einem darübergezogenen Socken, einem roten Maul mit aufgemalten Zähnen, sie alle waren die Schauspieler des Stücks und als am Ende sogar noch der Teufel erschien und vom Kasper umgeworfen wurde, direkt in das aufgesperrte Maul des Krokodils, da kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Die Rufe "Kasper, Kasper" wollten nicht verhallen und gern gaben sie einen Zehner in die Sammelbüchse des nun sehr glücklichen Mannes.
Nach diesem auch spannenden Stück blieb noch genügend Zeit für eine Fahrt mit dem Autoscooter und auch eine Bratwurst mußte daran glauben. Nach der Ausgabe des letzten Bons für ein Getränk wurde es dämmrig und so gingen sie gemeinsam nach Hause.
Welch ein schöner Nachmittag war es doch gewesen und so freuten sie sich schon auf das nächste Jahr, hoffentlich würde der Kasper für sie wieder erscheinen.

(c) Rolf Glöckner

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