Freitag, 2. Dezember 2011

Der Schwarze

Er kam von der Schule nach Hause und betrat das Haus durch den Eingang zur Sommerküche. Aus der angrenzenden Waschküche vernahm er ein leises Fiepen und er ging, neugierig, was das wohl sein könnte, dem Geräusch nach. In der Waschküche traf er auf seinen Onkel, der gerade dabei war, einen kleinen, schwarzen Welpen zu füttern. Was ist denn das für einer, entfuhr es ihm und er bekam zur Antwort: "Das ist ein Schäferhund, noch ganz jung, ich habe ihn erst heute mitgebracht." "Aber der ist doch schwarz, gibt es denn soetwas?" wollte er wissen. "Ja," antwortete sein Onkel, das gibt es und ich werde ihn aufziehen, seine Mutter ist bei der Geburt leider gestorben und nun ist er bei uns.


Ich würde mich freuen, wenn Du Dich, wenn es Deine Zeit mit der Schule und dem Sport erlauben, etwas um ihn kümmern würdest. Alles, was Du dazu wissen solltest, werde ich die noch erzählen." Der wunderschöne, tiefschwarze Welpe fiepte leise, kroch auf ihn zu und versuchte, ihm seine Hand zu lecken, die er ihm entgegenhielt. Dann versuchte er, an einem Finger zu saugen. Sein Onkel gab ihm die Flasche mit Milch und sagte: "Nun füttere Du ihn, damit er sich an Dich gewöhnt."
Er fütterte ihn und gierig trank das kleine Tier die Flasche leer. Wimmernd verlangte er nach mehr. Fragend sah er seinen Onkel an: "Darf er noch etwas haben?" "Nein, erst heute abend bekommt er wieder etwas, wenn ich zurückkomme, werde ich es zubereiten und du kannst ihn dann, wenn Du magst, füttern." Und so vergingen die Tage und der Welpe wuchs zu einem kräftigen Schaferhund heran. Die beiden hatten viel Spaß nmiteinander und der Hund, sein Onkel mußte ja arbeiten, begleitete ihn auf vielen seiner Wege. Der Hund erhielt seine Ausbildung zum Schutzhund und würde als Fährtenhund bei der Dorfpolizei eingetragen.
So vergingen Jahre, und auch er wuchs heran und dann passierte das Unfassbare. Er kam von einem Schulausflug zurück und der Hund, was er sonst immer tat, begrüßte ihn nicht. Auf dem Hof des Hauses stand ein Auto und keiner der Erwachsenen war zu sehen. Unruhig werdend ging er ins Haus. Aus dem großen Wohnzimmer vernahm er ein Stimmengemurmel. Er trat ein und sah den Hund, es hatte den Anschein, als sei er sehr schwach, in seinem Korb liegen. Er atmete schnell und seine Brust hob und senkte sich hektisch. Dann vernahm er die Worte des ihm unbekannten Mannes: "Ja, jetzt kann ich nichts mehr für ihn tun, er hat die Staupe. Ich habe alles versucht!"
Er stürzte auf den Hund zu, kniete vor ihn nieder und streichelte seinen Kopf. Der Hund schaute noch einmal hoch, leckte ein letztes Mal seine Hand und dann brachen seine Augen. Dem Jungen schossen die Tränen in die Augen und auch sein Onkel, der den Hund ebenfalls über alle Maßen geliebt hatte, konnte sich der Tränen nicht erwehren.
Nie in seinem Leben würde er dieses Bild aus seiner Erinnerung verdrängen können, so sehr waren er und der Hund sich zugetan gewesen.
Aber das Leben mußte weitergehen, wenn auch jetzt ohne seinen geliebten schwarzen Schäferhund.

(c) Rolf Glöckner

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