Montag, 25. Juli 2011

Hofknecht

Der Wecker klingelte schrill und er rollte sich ächzend aus dem Bett, der Rücken schmerzte schon jetzt. Wieder lag ein Tag vor ihm, der  eine Menge Arbeit und Lauferei mit sich bringen würde. Dennoch, er tat es gern, hatte er doch noch eine Aufgabe und war nicht vollkommen nutzlos.
Also, die Lieblingskleidung, alte Jeans, altes Hemd und Gartenschuhe angezogen und nach einem kleinen Frühstück mähte er den Rasen, so zirka eintausend Quadratmeter. Danach trank er unter einer Pergola zwischen Rosen und den wunderschön blau blühenden Agapanthus einen kleinen Kaffee, bevor es weitergehen sollte mit Rosen ausputzen,  Büschen beschneiden und die Blumenbeete bedurften auch einer dringenden Überholung. Zu Mittag hatte die alte Frau  aus dem Vorderhaus schon einen Eintopf und eine Nachspeise gerichtet und nach einer kleinen Mittagspause, die Arbeit wollte nicht mehr so flüssig von der Hand gehen, kamen schon die nächste Aufgaben auf ihn zu.
Diesesmal war es aber etwas Angenehmes, denn der schon sehr alte Klarapfelbaum hatte überreichlich getragen und sollten bei dem doch sehr windigen und auch kalten Sommer nicht alle Äpfel als Falläpfel enden, waren  die schönsten Äpfel zu pflücken.
Mittels einer Trittleiter und einem Apfelpflücker wurden die Augustäpfel vorsichtig abgepflückt in einen Korb gelegt. Der Anblick erfreute den alten Mann, zumal sich die Sonne jetzt mühsam hinter ein paar grauen Wolken hervorquälte. Er legte eine kleine Pause ein und wandte sich der Sonne zu, um sich ein wenig aufzuwärmen.
Mitdem rief seine Frau, die einen Tee und ein kleines Stück selbstgebackenen Kürbisstuten als Pausenbrot bereitet hatte. Eine kleine Pause war angesagt und für heute war der Garten, seiner, und der der alten Frau, gerichtet.


Langsam verzogen sich die Wolken und der Himmel klarte auf. Sollten in der Nacht Sterne zu sehen sein oder konnte er zumindest den Mond fotografieren?
Die Devise hieß abwarten, denn in der Stadt wollte es eigentlich nicht so bald dunkel werden. Also wurden die Kameras, versehen mit den entsprechenden Objektiven und die Stative bereitgestellt und es begann das lange Warten auf die Dunkelheit.
Irgendwann, es war schon kurz vor Mitternacht, seine Frau hatte sich schon längst zur Ruhe begeben, tauchte er ein in den Sternenhimmel, fotografierte weitwinklig ins All hinaus und war mit sich und der Welt zufrieden. Am nächsten Tag würde er die Ergebnisse auswerten, bevor neue Arbeit auf ihn zukommen würde. Und das Ergebnis, Mond und Strichspuren und eine Aufnahme mit dem Fischauge waren zumindest brauchbar.





Morgen würde ein neuer Tag mit neuen Aufgaben und Herausforderungen sein.

(c) Rolf Glöckner

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