Montag, 26. Mai 2014

Pechmarie



Pechmarie


Sie erwachte. Alles um sie herum war steril und weiß. Auf einem gleichmäßig vor sich hin piepsenden Monitor sah sie eine grüngezackte Linie dahingleiten. Ihre Herztöne?

War sie in einem Zimmer im Krankenhaus? Wie war sie hierhergekommen?
Sie erinnerte sich nicht. Hatte sie einen Unfall gehabt? Sie griff sich an den Kopf. Ein dicker Verband zierte ihn. Mühsam versuchte sie, sich auf die Seite zu drehen. Eine herabhängende Schnur mit einem Klingelknopf wurde sichtbar. Sie streckte ihre Hand aus und betätigte die Klingel. Nach einer ihr endlos vorkommenden Zeitspanne öffnete sich die Tür und zwei weißgekleidete Gestalten traten ein. „Aha, die Patientin ist wach“, vernahm sie. Eine Frage drängte sich von ihren Lippen. „Wo bin ich hier, was ist mit mir passiert und warum ist mein Kopf verbunden?“ Die Antwort, wohl nicht für sie bestimmt, verwirrte sie. „Dann war die Gehirnerschütterung doch wohl etwas schwerer als zuerst angenommen, verbunden mit einer leichten Amnesie, aber das wird schon wieder, da bin ich sicher.“

Eine Gehirnerschütterung? Wo hatte sie sich die denn zugezogen? Sie erinnerte sich nur noch an den Notruf und dass sie sich auf den Weg gemacht hatte. Danach? Nichts!
Es klopfte an die Tür und eine der weißen Gestalten öffnete. Vor der Tür stand ein Polizist und fragte: „Kann ich nun mit der Verunfallten sprechen?“ „Ja“, wurde ihm geantwortet, „an viel erinnert sie sich aber nicht.“

Der Polizist trat ein, zog sich einen Stuhl heran und setzte sich. „Und sie erinnern sich nicht, was mit ihnen passiert ist?“ „Nein“, antwortete sie. „Na, dann werde ich ihnen jetzt das erzählen, was unsere Ermittlungen und Zeugenaussagen ergeben haben. Sie sind mit ihrem Auto gegen einen Strommast geprallt und für mehr als zehn Häuser den Strom unterbrochen. Als der Notarzt sie aus dem Auto zog, waren sie nicht bei Bewusstsein und ihre Stirn zierte eine große Platzwunde, die heftig blutete. Nach einer ersten ärztlichen Versorgung fanden wir an der Tür ihres Autos Blut, welches nach Untersuchungen nur von ihnen stammen konnte. Und so sieht unsere Rekonstruktion des Unfalls  aus:

Beim Einsteigen in ihr Auto haben sie sich die Autotür an den Kopf geschlagen, sind aber trotzdem losgefahren, ohnmächtig geworden und haben die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren. Was dann passierte, sagte ich schon, sie fällten einen Strommast.“ Er begann zu schmunzeln. „Und“, sagte er, „sie sind derzeit auf Platz 1 bei uns im Revier.“ Er schmunzelte erneut. „Wir führen dort eine Liste der unglaublichsten Unfälle und die Kollegen haben sie sofort auf Platz 1 gesetzt. Aber seien sie froh, dass ihnen nicht mehr passiert ist. Ungläubig sah sie ihn an und ganz langsam erinnerte sie sich.



© Rolf Glöckner

Dienstag, 4. Februar 2014

Auswurf



Auswurf

Tausende von Jahren hatte ich das Licht der Sonne nicht mehr gesehen. Ich lag eingezwängt zwischen den verschiedensten Steinfragmenten, die aus den unterschiedlichen Erdzeitaltern stammen mochten. Neben mir stach ein spitzer Quarz in meine Seite und es war mir, als ob er ein Loch in meine granitene Haut bohren wollte.
Plötzlich stellte ich eine Veränderung fest. Es wurde wärmer und unbekannte Gase stiegen an meiner Flanke auf. Was geschah dort weit unter mir? Erste knirschende Geräusche wurden hörbar und eine leichte Bewegung um mich herum vermochte ich deutlich zu spüren. Risse entstanden, aus der rötliches Licht hervorquoll.
Ich erinnerte mich. Vor langer Zeit wurde ich wurde ich durch den Einsturz eines Kraters verschüttet. Wurde da etwas aktiv?
Ich verspürte einen immer heftiger werdenden Druck, der sich noch an dem über mir empfindlichen Steinpfropf brach. Da geschah es.
In einer gewaltigen Explosion barst der Deckel über mir. Ich wurde ausgeworfen und flog über der Landschaft dahin. Ich fühlte mich für einen Augenblick frei, dann wurde ich, kaum dass ich den Boden berührt hatte, von einer feurigen Masse überdeckt.
Wieder gefangen!





















© Rolf Glöckner
 

Sonntag, 19. Januar 2014

Astronomische Nachtgespräche

Ich hatte mich mit meinem Astro-Equipment, einem Stativ, einer Spiegelreflexkamera und einer Nachführeinheit und allerlei Zubehör an den Osternburger Kanal gegeben. Dort gibt es eine Brücke und dort gibt es am Geländer der Brücke einen Betonsockel, auf dem man, weil ziemlich eben, alles aufbauen kann.
Nachdem ich in der Dunkelheit, das Flutlicht des benachbarten Fußballplatzes war seit geraumer Zeit erloschen, schon begonnen hatte, die ersten Aufnahmen zu machen, sah ich zwei Gestalten aus der Dunkelheit näher kommen. Ein Hund war bei ihnen. Sie blieben stehen und schauten. Dann fasste sich der eine wohl ein Herz und fragte:
"Wasmachsu?" Ich antwortete: "Fotografieren" Entgegnete die andere dunkle Gestalt: "Geht doch nich, iss doch dunkel!" Ich: "Doch, die Kamera kann im Dunklen sehen!"
   Das interessierte sie dann doch sehr und die Fragen prasselten nur so auf mich ein. Nachdem wir uns wohl schon eine halbe Stunde unterhalten hatten, meinte der Eine: "Weiisu, wir bringen mal den Hund nach Hause und dann kommen wir noch einmal wieder."
Das taten sie dann auch und blieben, bis die Ausrüstung so feucht war, dass weitere Aufnahmen nicht mehr gemacht werden konnten. Störend erwies sich dabei, dass eine Polizeistreife vorbeikam und wissen wollte, was wir denn dort machen würden. Und so sah das Foto dann auch aus, als sie uns endlich in der Dunkelheit wieder allein ließen. Alles in Allem eine sehr interessante Astrosession mit einem über alle Maßen interessierten Publikum.


Aber das Ergebnis, einmal den Sternenhimmel aus der Stadt ablichten zu können, gefiel mir und auch meinen Zuschauern sehr gut.



Auch das Fischauge kam dabei zum Einsatz.


..... und noch Strichspuren zum Schluss.



© Rolf Glöckner

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Warum ich bis heute keinen Sago mag



Warum ich bis heute keinen Sago mag:

Ich hatte Geburtstag. Welcher es war, kann ich heute nicht mehr sagen, aber für eine Leseratte, die alle Bücher, die sie in die Finger bekam, sofort verschlang, war bei den Geschenken natürlich auch ein Buch. Noch heute weiß ich den Titel. Es hieß: „Jan und Piet bei den Kannibalen“ und handelte von dem Seemann Jan und Piet, einem Jungen, wohl in meinem Alter.

   Ein Sturm in der Südsee hatte sie auf eine Insel verschlagen. Dort waren sie von Eingeborenen aufgenommen worden und sie lebten mit diesen eine Zeit zusammen, so lange, bis sie ihr Schiff wieder instand gesetzt hatten und weiterfahren konnten. Während ihres Aufenthaltes erfuhren sie aber, dass die Eingeborenen Kannibalen waren und große Angst überkam sie. Der Häuptling aber beruhigte sie mit der Bemerkung, dass das Fleisch der Weißen stinken würde. Doch nun die Erklärung, warum ich bis heute keinen Sago mag.

   Auf der Insel wuchsen Sagopalmen, die den Eingeborenen allerlei zu ihrer Ernährung beisteuerten.
Unter anderem zogen sie aus dem Mark des Stammes große Maden heraus, die sie mit großem Genuss verspeisten. Und nun, nach vielen Jahren konnte ich diese Maden sehen. Bei einem Besuch des Bremer Weihnachtsmarktes stand auch das Überseemuseum auf dem Programm und dort waren sie ausgestellt:



Es sind die Maden einer in Südostasien lebenden Art des Nashornkäfers, die sich im Inneren der Sagopalme von deren Mark ernähren und als ein guter Eiweißlieferant den Eingeborenen als eine Leckerei dienen.
Mich graust es noch heute bei dem Gedanken. Meine Neugierde aber war geweckt und ich schaute, ob dieses Buch noch irgendwo im Handel erhältlich sei und wirklich, es ist noch lieferbar!

http://www.amazon.de/Jan-Piet-bei-den-Kannibalen/dp/B005GT77AQ/ref=tmm_hrd_title_0?ie=UTF8&qid=1387453533&sr=8-1

Sagopalme (Beschreibung aus Wikipedia)
Die Arten der Gattung Metroxylon gehören zu den so genannten Echten Sagopalmen. Sie erreichen ein Alter von etwa 15 Jahren. Junge Sagopalmen wachsen strauchartig und haben dornenreiche Blätter. Sagopalmen erreichen Wuchshöhen von bis zu 20 m und 60 cm Stammdurchmesser. Die mit oft stacheligen Blattscheiden bedeckte Rinde ist etwa 6 cm dick. Die nach innen folgende Gefäßbündelschicht umschließt ein bis 50 cm dickes stärkehaltiges Mark, aus dem das Sago gewonnen wird. 

 © Rolf Glöckner