Dienstag, 4. Februar 2014

Auswurf



Auswurf

Tausende von Jahren hatte ich das Licht der Sonne nicht mehr gesehen. Ich lag eingezwängt zwischen den verschiedensten Steinfragmenten, die aus den unterschiedlichen Erdzeitaltern stammen mochten. Neben mir stach ein spitzer Quarz in meine Seite und es war mir, als ob er ein Loch in meine granitene Haut bohren wollte.
Plötzlich stellte ich eine Veränderung fest. Es wurde wärmer und unbekannte Gase stiegen an meiner Flanke auf. Was geschah dort weit unter mir? Erste knirschende Geräusche wurden hörbar und eine leichte Bewegung um mich herum vermochte ich deutlich zu spüren. Risse entstanden, aus der rötliches Licht hervorquoll.
Ich erinnerte mich. Vor langer Zeit wurde ich wurde ich durch den Einsturz eines Kraters verschüttet. Wurde da etwas aktiv?
Ich verspürte einen immer heftiger werdenden Druck, der sich noch an dem über mir empfindlichen Steinpfropf brach. Da geschah es.
In einer gewaltigen Explosion barst der Deckel über mir. Ich wurde ausgeworfen und flog über der Landschaft dahin. Ich fühlte mich für einen Augenblick frei, dann wurde ich, kaum dass ich den Boden berührt hatte, von einer feurigen Masse überdeckt.
Wieder gefangen!





















© Rolf Glöckner
 

Sonntag, 19. Januar 2014

Astronomische Nachtgespräche

Ich hatte mich mit meinem Astro-Equipment, einem Stativ, einer Spiegelreflexkamera und einer Nachführeinheit und allerlei Zubehör an den Osternburger Kanal gegeben. Dort gibt es eine Brücke und dort gibt es am Geländer der Brücke einen Betonsockel, auf dem man, weil ziemlich eben, alles aufbauen kann.
Nachdem ich in der Dunkelheit, das Flutlicht des benachbarten Fußballplatzes war seit geraumer Zeit erloschen, schon begonnen hatte, die ersten Aufnahmen zu machen, sah ich zwei Gestalten aus der Dunkelheit näher kommen. Ein Hund war bei ihnen. Sie blieben stehen und schauten. Dann fasste sich der eine wohl ein Herz und fragte:
"Wasmachsu?" Ich antwortete: "Fotografieren" Entgegnete die andere dunkle Gestalt: "Geht doch nich, iss doch dunkel!" Ich: "Doch, die Kamera kann im Dunklen sehen!"
   Das interessierte sie dann doch sehr und die Fragen prasselten nur so auf mich ein. Nachdem wir uns wohl schon eine halbe Stunde unterhalten hatten, meinte der Eine: "Weiisu, wir bringen mal den Hund nach Hause und dann kommen wir noch einmal wieder."
Das taten sie dann auch und blieben, bis die Ausrüstung so feucht war, dass weitere Aufnahmen nicht mehr gemacht werden konnten. Störend erwies sich dabei, dass eine Polizeistreife vorbeikam und wissen wollte, was wir denn dort machen würden. Und so sah das Foto dann auch aus, als sie uns endlich in der Dunkelheit wieder allein ließen. Alles in Allem eine sehr interessante Astrosession mit einem über alle Maßen interessierten Publikum.


Aber das Ergebnis, einmal den Sternenhimmel aus der Stadt ablichten zu können, gefiel mir und auch meinen Zuschauern sehr gut.



Auch das Fischauge kam dabei zum Einsatz.


..... und noch Strichspuren zum Schluss.



© Rolf Glöckner

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Warum ich bis heute keinen Sago mag



Warum ich bis heute keinen Sago mag:

Ich hatte Geburtstag. Welcher es war, kann ich heute nicht mehr sagen, aber für eine Leseratte, die alle Bücher, die sie in die Finger bekam, sofort verschlang, war bei den Geschenken natürlich auch ein Buch. Noch heute weiß ich den Titel. Es hieß: „Jan und Piet bei den Kannibalen“ und handelte von dem Seemann Jan und Piet, einem Jungen, wohl in meinem Alter.

   Ein Sturm in der Südsee hatte sie auf eine Insel verschlagen. Dort waren sie von Eingeborenen aufgenommen worden und sie lebten mit diesen eine Zeit zusammen, so lange, bis sie ihr Schiff wieder instand gesetzt hatten und weiterfahren konnten. Während ihres Aufenthaltes erfuhren sie aber, dass die Eingeborenen Kannibalen waren und große Angst überkam sie. Der Häuptling aber beruhigte sie mit der Bemerkung, dass das Fleisch der Weißen stinken würde. Doch nun die Erklärung, warum ich bis heute keinen Sago mag.

   Auf der Insel wuchsen Sagopalmen, die den Eingeborenen allerlei zu ihrer Ernährung beisteuerten.
Unter anderem zogen sie aus dem Mark des Stammes große Maden heraus, die sie mit großem Genuss verspeisten. Und nun, nach vielen Jahren konnte ich diese Maden sehen. Bei einem Besuch des Bremer Weihnachtsmarktes stand auch das Überseemuseum auf dem Programm und dort waren sie ausgestellt:



Es sind die Maden einer in Südostasien lebenden Art des Nashornkäfers, die sich im Inneren der Sagopalme von deren Mark ernähren und als ein guter Eiweißlieferant den Eingeborenen als eine Leckerei dienen.
Mich graust es noch heute bei dem Gedanken. Meine Neugierde aber war geweckt und ich schaute, ob dieses Buch noch irgendwo im Handel erhältlich sei und wirklich, es ist noch lieferbar!

http://www.amazon.de/Jan-Piet-bei-den-Kannibalen/dp/B005GT77AQ/ref=tmm_hrd_title_0?ie=UTF8&qid=1387453533&sr=8-1

Sagopalme (Beschreibung aus Wikipedia)
Die Arten der Gattung Metroxylon gehören zu den so genannten Echten Sagopalmen. Sie erreichen ein Alter von etwa 15 Jahren. Junge Sagopalmen wachsen strauchartig und haben dornenreiche Blätter. Sagopalmen erreichen Wuchshöhen von bis zu 20 m und 60 cm Stammdurchmesser. Die mit oft stacheligen Blattscheiden bedeckte Rinde ist etwa 6 cm dick. Die nach innen folgende Gefäßbündelschicht umschließt ein bis 50 cm dickes stärkehaltiges Mark, aus dem das Sago gewonnen wird. 

 © Rolf Glöckner

Mittwoch, 18. September 2013

Das schwarze Schaf



Das schwarze Schaf

Es war Geburtstag, immer war in der großen Familie Geburtstag. Im großen Wohnzimmer saßen alle beieinander, der Tisch war reichlich gedeckt und wie immer thronte die Großmutter über allen Familienmitgliedern.
   Sie schaute herrisch in die Runde und das Gemurmel verstummte. Die Kinder schwiegen verschreckt und hielten die Köpfe gesenkt. Nur nicht auffallen!  Was würde denn nun wieder passieren, wen würde es denn dieses Mal treffen. Immer begann eine solche Geburtstagfeier damit, dass einer aus der Runde den Zorn der Oma abbekam, es hatte schon fast Tradition.

   Die Großmutter ergriff mit ihrer hart klingenden Stimme das Wort:
„Wir sind zusammengekommen, um meinen siebzigsten Geburtstag zu begehen!“ Das Wort „feiern“ war in ihrem Sprachschatz augenscheinlich nicht vorhanden. Sie wandte sich ihrem jüngsten Sohn zu und sah ihn mit gerunzelter Stirn an.
„Mir ist da etwas zu Ohren gekommen! Ich würde von dir gern wissen, wo du dich in der letzten Woche herumgetrieben hast?“ Ihr Sohn bekam einen knallroten Kopf. „Ich war für eine Woche auf einer Baustelle bei Münster!“ Es war nicht ungewöhnlich, dass er auf weiter entfernten Baustellen eingesetzt wurde, sein Beruf als Zimmermann brachte es oft mit sich.

   „Du lügst, dein Polier war hier und hat nach dir gefragt. Wo warst du? Immer wieder bringst du unsere Familie in Verruf, ständig wird über dich im Dorf geredet. Wo warst du also? Rede!“
Sein Neffe, für den er der Lieblingsonkel war, sprang auf und kletterte auf seinen Schoß. Dort richtete er sich zu seiner ganzen elfjährigen Größe auf und schrie mit zitternder Stimme empört: „Warum hackst Du immer wieder auf ihm herum, Oma, warum meinst du immer, dass alles, was er tut, auf die Familie zurückfällt? Warum immer er? Warum sagst du immer wieder, er sei das schwarze Schaf der Familie?
Ich habe ihn vorgestern beim Zirkus, der auf dem großen Platz neben der Kirche gerade sein Zelt aufbaut, gesehen. Er stand dort mit einer Frau, die eine große Schlange um den Hals trug, ich fand das toll und aufregend!“
Da hatte er aber etwas gesagt! Entsetzen machte sich bei Schwestern und Brüdern breit. Nicht nur, dass ihr Nesthäkchen es mit dem Gesetz manchmal nicht so genau nahm, er hatte ein paar kleine Strafen wegen Wilddieberei und anderen Übertretungen auf seinem Konto, ließ er sich jetzt auch noch mit einer Schlangentänzerin aus dem Zirkus ein. !
Auf verständnisloses Kopfschütteln folgte ein eisiges Schweigen und der Onkel wandte sich an seinen Neffen, sah ihn lange an und sagte dann: „Sei du vorsichtig in deinem Leben, sonst bist auch du später einmal das schwarze Schaf!“
…… und es geschah!


© Rolf Glöckner