Grundsteinlegung
Das Ende der Schulzeit rückte immer näher und da unsere Klasse einen gewissen Ruf zu verteigen hatte, wurde überlegt, was zu tun sei, um den Abschied so zu gestalten, dass auch vielleicht die Nachwelt davon erfahren würde.
Das alte ehrwürdige Schulgebäude war inzwischen schon etwas in die Jahre gekommen und es fehlte an allerlei Reparaturen an den Fluren, den Klassenräumen, den Türen und auch die Wände unseres Klassenzimmers, in dem wir die meiste Zeit zugebracht hatten, war schon, na ja, baufällig war vielleicht nicht ganz richtig, schon ziemlich mitgenommen.
Eine Idee wurde geboren. Ganz vorsichtig begannen wir hinter der letzten Bankreihe von der Wand etwas Putz zu entfernen, die dabei entstandenen Spuren wurden natürlich vor der nächsten Stunde beseitigt, so dass unsere "Bauarbeiten" nicht sonderlich auffielen.
Bald war das Loch, ein Teil des dahinter zum Vorschein kommenden Steines musste ebenfalls entfernt werden, groß genug, um dass, was wir darin verbergen wollten, durchaus aufnehmen konnte. Nun benötigten wir noch ein Gls mit einem Deckel, das wurde auch schnellstens beschafft, gab es doch im Kunstuntericht Gläser, die für die Wasserfarbenmalerei benötigt wurden, in Massen. Eines davon, es hatte auch noch einen Deckel, wurde in die Klasse transportiert und jeder, der die Schule nun bald verlassen würde, schrieb seinen Namen auf ein Blatt Papier. Sorgfältig gefaltet, wanderte dieser Zettel in das Glas, dieses wurde in dem Loch versenkt und nun musste nur noch gemauert werden. Das benötigte Handwerkszeug, eine Kelle und ein Reibbrett und auch schon fertig angemischten Zement, der lediglich nur noch mit Wasser angerührt werden musste, warbereits vorhanden.
Nun ging es ans Werk, das Glas wurde einzementiert und als die Pause zu Ende war, waren fast alle Spuren verwischt. Gottseidank war auch die Wandfarbe nicht mehr weiß sondern überwiegend grau, so dass unsere Maurerarbeit nicht auffiel.
Dieser kleine Spaß sollte unsere Grundsteinlegung sein und vielleicht würde ja doch die Nachwelt davon erfahren.
Das alte Schulgebäude, als wir dort unterrichtet wurden.
Und hier sind noch diejenigen (fast), die damals auf dem Blatt unterschieben hatten, das war allerdings 50 Jahre später!
Und es ging das Gerücht, dass beim Umbau der alten Gebäude, heute ist dort eine Grundschule untergebracht, dieses Glas angeblich gefunden wurde.
(c) Rolf Glöckner