In Magdeburg war ein Projekt aufgelegt worden, welches damit befasst war, in der Großgaserei ein Rechenzenrum einzurichten, die Software zu installieren und damit die bestehenden Verwaltungsmöglichkeiten auf einen technisch und betreibswirtschaftlich hohen Stand zu bringen.
Das Projekt sollte schon am 4. Februar, also noch im Winter, beginnen, ich traf dort aber erst, es ging nicht anders, am 5. Februar 1990 mit einer guten Wegebeschreibung, die man mir übermittelt hatte, ein und wurde am Tor der Großgaserei von einem freundlichen Herrn, dem man die Aufregung schon ansah, abgeholt und ins Büro, welches für längere Zeit mein Projektstandort sein sollte, gebracht.
Das Büro hatte den Charme der 50' Jahre, bunte Gardinen, ein Wohnzimmerschrank als Büromöbel, Holzschreibtische und ebensolche Holzstühle mit einem blauen kratzigen Bezugsstoff.
Aber eine Kaffeemaschine war auch schon da und der erste Kaffee brachte mich fast um! Ich schaute nach und sah einen Kaffeefilter, der bis an den Rand mit Kaffeemehl gefüllt war, also als erste Augabe war zu vermitteln, wie man Kaffee kocht. Sie hatten es gut gemeint, aber ich habe in der Nacht senkrecht im Bett gesessen.
Nun wurde das Rechenzentrum angeschaut, welches in einem ehemaligen Zeichensaal technisch einwandfrei eingerichtet war. Nach einem Gespräch mit dem Leiter dieses Projektes, einem IBM'er, der mich auf den Stand des Projektes brachte, begann die Arbeit. Am installierten System waren nach meinen Schätzungen noch einige Veränderungen vorzunehmen, so sollte eine von der eigentlichen Produktion losgelöste Testumgebung eingerichtet werden, damit Softwarewartungen durchgeführt werden konnten, ohne die EDV-Produktion, die sich aus dem Rechnungswesen und diverse anderen Bausteinen zusammensetzten, zu stören.
So verging der Tag mit vielen Vorbereitungen und Gesprächen und dann bekam ich meine Einweisung! Ein kleiner Zettel auf dem stand: "Einweisung ins Bauarbeiterhotel" Man empfahl mir mein Auto auf dem Werksgelände stehen zu lassen und verpasste mir einen Trabbi, mit dem ich knatternd und einer blauen Wolke das Hotel, ein dreizehnstöckiger Plattenbau, auch problemlos mit Zwischengas beim Schalten, erreichte. Dor gab man mir einen Schlüssel, der Fahrstuhl war defekt und so schleppte ich meine Sachen in den 10. Stock, schloss die Zimmertür auf und befand mich in einer Dreiraumwohnung, die aber schon bewohnt war. Die kleine Küche sah grauslich aus, einige schmutzige Töpfe und noch schmutzigere Gummistiefel standen, beziehungsweise lagen unaufgeräumt umher. Ich also mit meinem Gepäck wieder nach unten. An der Rezeption verlangte ich eine Unterbringung nur für mich und wurde etwas merkwürdig angeschaut. Ein Wessi! Ich bekam dann im 7. Stock eine freie Zweiraumwohnung. Am nächsten Morgen, dass will ich hier noch eben erzählen, gab es im Erdgeschoss ein Frühstück. Hinter der Essenausgabe, die an ein Fenster erinnerte, saß eine Matron, die jedes Teil, das ich verlangte, auf ein Tablett schichtete und dann jedes Teil einzeln berechnete. Ich habe noch nie so preiswert gefrühstückt.
Fortsetzung folgt.
(c) Rolf Glöckner



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