Freitag, 21. November 2014

Elefantenjagd



Elefantenjagd

Oder wie verschiedene Berufsgruppen Elefanten  jagen

Mathematiker jagen Elefanten, indem sie nach Afrika gehen, alles entfernen, was nicht Elefant ist und ein Element der Restmenge fangen.

Erfahrene Mathematiker werden zunächst versuchen, die Existenz mindestens eines eindeutigen Elefanten zu beweisen, bevor sie mit Schritt 1 als untergeordnete Übungsaufgabe fortfahren.

Mathematikprofessoren beweisen die Existenz eines eindeutigen Elefanten und überlassen dann das Aufspüren und Einfangen eines tatsächlichen Elefanten ihren Studenten.

Informatiker jagen Elefanten, indem sie folgenden Algorithmus ausführen:

Gehe nach Afrika
Beginne am Kap der guten Hoffnung
Durchkreuze Afrika von Süden nach Norden bidirektional in Ost-West-Richtung
Für jedes Durchkreuzen tue:
            Fange jedes Tier, das du siehst
            Vergleiche jedes gefangene Tier mit einem als Elefant
            bekannten Tier
            Halte an bei Übereinstimmung
            Fange.

Erfahrene Programmierer verändern den Algorithmus, indem sie ein als Elefant bekanntes Tier in Kairo platzieren, damit das Programm auf jeden Fall korrekt beendet wird.

Ingenieure jagen Elefanten, indem sie nach Afrika gehen, jedes graue Tier fangen, das ihnen über den Weg läuft und es Elefant nennen, wenn das Gewicht nicht um mehr als 15% von dem eines vorher gefangenen Elefanten abweicht.

Wirtschaftswissenschaftler jagen keine Elefanten, aber sie sind fest davon überzeugt, dass Elefanten sich selbst jagen, wenn man ihnen nur genug dafür bezahlt.

Statistiker jagen das erste Tier, das sie sehen, n-mal und nennen es dann Elefant.

Unternehmensberater jagen keine Elefanten und viele haben noch niemals überhaupt etwas gejagt. Aber man kann sie stundenweise engagieren, um sich gute Ratschläge geben zu lassen.

Systemanalytiker wären theoretisch in der Lage, die Korrelation zwischen Hutgröße und Trefferqoute bei der Elefantenjagd zu bestimmen, wenn ihnen bloß jemand sagen würde, was ein Elefant ist.

Vertriebsbeauftragte jagen keine Elefanten. Statt dessen verbringen sie ihre Zeit damit, Elefanten zu verkaufen, die noch nicht gefangen wurden und versprechen Liefertermine, die mindestens zwei Tage vor Eröffnung der Jagdsaison liegen.

Software-Vertriebsbeauftragte verschicken das erste Tier, das sie fangen, per UPS und schreiben eine Rechnung über einen Elefanten.

Hardware-Vertriebsbeauftragte fangen ein paar Kaninchen, malen sie grau an und verkaufen sie als Schreibtischelefanten.



Beim Aufräumen in alten Unterlagen gefunden

Rolf Glöckner

Montag, 26. Mai 2014

Pechmarie



Pechmarie


Sie erwachte. Alles um sie herum war steril und weiß. Auf einem gleichmäßig vor sich hin piepsenden Monitor sah sie eine grüngezackte Linie dahingleiten. Ihre Herztöne?

War sie in einem Zimmer im Krankenhaus? Wie war sie hierhergekommen?
Sie erinnerte sich nicht. Hatte sie einen Unfall gehabt? Sie griff sich an den Kopf. Ein dicker Verband zierte ihn. Mühsam versuchte sie, sich auf die Seite zu drehen. Eine herabhängende Schnur mit einem Klingelknopf wurde sichtbar. Sie streckte ihre Hand aus und betätigte die Klingel. Nach einer ihr endlos vorkommenden Zeitspanne öffnete sich die Tür und zwei weißgekleidete Gestalten traten ein. „Aha, die Patientin ist wach“, vernahm sie. Eine Frage drängte sich von ihren Lippen. „Wo bin ich hier, was ist mit mir passiert und warum ist mein Kopf verbunden?“ Die Antwort, wohl nicht für sie bestimmt, verwirrte sie. „Dann war die Gehirnerschütterung doch wohl etwas schwerer als zuerst angenommen, verbunden mit einer leichten Amnesie, aber das wird schon wieder, da bin ich sicher.“

Eine Gehirnerschütterung? Wo hatte sie sich die denn zugezogen? Sie erinnerte sich nur noch an den Notruf und dass sie sich auf den Weg gemacht hatte. Danach? Nichts!
Es klopfte an die Tür und eine der weißen Gestalten öffnete. Vor der Tür stand ein Polizist und fragte: „Kann ich nun mit der Verunfallten sprechen?“ „Ja“, wurde ihm geantwortet, „an viel erinnert sie sich aber nicht.“

Der Polizist trat ein, zog sich einen Stuhl heran und setzte sich. „Und sie erinnern sich nicht, was mit ihnen passiert ist?“ „Nein“, antwortete sie. „Na, dann werde ich ihnen jetzt das erzählen, was unsere Ermittlungen und Zeugenaussagen ergeben haben. Sie sind mit ihrem Auto gegen einen Strommast geprallt und für mehr als zehn Häuser den Strom unterbrochen. Als der Notarzt sie aus dem Auto zog, waren sie nicht bei Bewusstsein und ihre Stirn zierte eine große Platzwunde, die heftig blutete. Nach einer ersten ärztlichen Versorgung fanden wir an der Tür ihres Autos Blut, welches nach Untersuchungen nur von ihnen stammen konnte. Und so sieht unsere Rekonstruktion des Unfalls  aus:

Beim Einsteigen in ihr Auto haben sie sich die Autotür an den Kopf geschlagen, sind aber trotzdem losgefahren, ohnmächtig geworden und haben die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren. Was dann passierte, sagte ich schon, sie fällten einen Strommast.“ Er begann zu schmunzeln. „Und“, sagte er, „sie sind derzeit auf Platz 1 bei uns im Revier.“ Er schmunzelte erneut. „Wir führen dort eine Liste der unglaublichsten Unfälle und die Kollegen haben sie sofort auf Platz 1 gesetzt. Aber seien sie froh, dass ihnen nicht mehr passiert ist. Ungläubig sah sie ihn an und ganz langsam erinnerte sie sich.



© Rolf Glöckner

Dienstag, 4. Februar 2014

Auswurf



Auswurf

Tausende von Jahren hatte ich das Licht der Sonne nicht mehr gesehen. Ich lag eingezwängt zwischen den verschiedensten Steinfragmenten, die aus den unterschiedlichen Erdzeitaltern stammen mochten. Neben mir stach ein spitzer Quarz in meine Seite und es war mir, als ob er ein Loch in meine granitene Haut bohren wollte.
Plötzlich stellte ich eine Veränderung fest. Es wurde wärmer und unbekannte Gase stiegen an meiner Flanke auf. Was geschah dort weit unter mir? Erste knirschende Geräusche wurden hörbar und eine leichte Bewegung um mich herum vermochte ich deutlich zu spüren. Risse entstanden, aus der rötliches Licht hervorquoll.
Ich erinnerte mich. Vor langer Zeit wurde ich wurde ich durch den Einsturz eines Kraters verschüttet. Wurde da etwas aktiv?
Ich verspürte einen immer heftiger werdenden Druck, der sich noch an dem über mir empfindlichen Steinpfropf brach. Da geschah es.
In einer gewaltigen Explosion barst der Deckel über mir. Ich wurde ausgeworfen und flog über der Landschaft dahin. Ich fühlte mich für einen Augenblick frei, dann wurde ich, kaum dass ich den Boden berührt hatte, von einer feurigen Masse überdeckt.
Wieder gefangen!





















© Rolf Glöckner
 

Sonntag, 19. Januar 2014

Astronomische Nachtgespräche

Ich hatte mich mit meinem Astro-Equipment, einem Stativ, einer Spiegelreflexkamera und einer Nachführeinheit und allerlei Zubehör an den Osternburger Kanal gegeben. Dort gibt es eine Brücke und dort gibt es am Geländer der Brücke einen Betonsockel, auf dem man, weil ziemlich eben, alles aufbauen kann.
Nachdem ich in der Dunkelheit, das Flutlicht des benachbarten Fußballplatzes war seit geraumer Zeit erloschen, schon begonnen hatte, die ersten Aufnahmen zu machen, sah ich zwei Gestalten aus der Dunkelheit näher kommen. Ein Hund war bei ihnen. Sie blieben stehen und schauten. Dann fasste sich der eine wohl ein Herz und fragte:
"Wasmachsu?" Ich antwortete: "Fotografieren" Entgegnete die andere dunkle Gestalt: "Geht doch nich, iss doch dunkel!" Ich: "Doch, die Kamera kann im Dunklen sehen!"
   Das interessierte sie dann doch sehr und die Fragen prasselten nur so auf mich ein. Nachdem wir uns wohl schon eine halbe Stunde unterhalten hatten, meinte der Eine: "Weiisu, wir bringen mal den Hund nach Hause und dann kommen wir noch einmal wieder."
Das taten sie dann auch und blieben, bis die Ausrüstung so feucht war, dass weitere Aufnahmen nicht mehr gemacht werden konnten. Störend erwies sich dabei, dass eine Polizeistreife vorbeikam und wissen wollte, was wir denn dort machen würden. Und so sah das Foto dann auch aus, als sie uns endlich in der Dunkelheit wieder allein ließen. Alles in Allem eine sehr interessante Astrosession mit einem über alle Maßen interessierten Publikum.


Aber das Ergebnis, einmal den Sternenhimmel aus der Stadt ablichten zu können, gefiel mir und auch meinen Zuschauern sehr gut.



Auch das Fischauge kam dabei zum Einsatz.


..... und noch Strichspuren zum Schluss.



© Rolf Glöckner